"Kleine Zeitung" Kommentar: "Klapperkiste" (von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 22.9.2002

Graz (OTS) - Es war Reichholds erste große Rede und das merkte
man ihr an. Die Reporter ergötzten sich an den Syntax-Pannen und an den "bushigen" Versprechern ("Erweiterung ohne Benes ist für uns nicht vorstellbar"), aber die Patzer kümmerten die Delegierten nicht. Sie waren nicht gekommen, um sich an korrektem Satzbau aufzurichten, sie waren auf der Suche nach dem verlorenen Wir-Gefühl und das gab ihnen Reichhold zurück. Er beschwor den Eros früherer Tage, als man nicht in Dienstkarossen, sondern in Klapperkisten durch die Dörfer zog, und mahnte das Miteinander ein.

Das Pathos wärmte.

Inhalte spielten außer ein paar Duftnoten an das Hard Core keine Rolle. Der Parteitag erfüllte primär eine gruppendynamische Funktion: Er diente der Selbstvergewisserung einer tief verunsicherten Partei.

Und der große Abwesende? So anwesend war er nicht, wie alle tun. Man dankte ihm, erhob sich, aber keiner rief: Jörg, komm! Dass der Neue nur in der Vergangenheitsform über ihn sprach, könnte sich freilich als der einzig wirklich relevante sprachliche Lapsus herausstellen.

Der 24. November wird für Reichhold - da darf er sich nichts vormachen - Klarheit bringen: Dienstkarosse oder Klapperkiste. ****

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