"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Adler-Medaille" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 21. 9. 2002

Graz (OTS) - Was bleibt von der Wende? So gut wie nichts von dem, was manche an ideologischen Verwerfungen befürchteten, aber auch wenig davon, was viele inhaltlich erhofften. Diese Koalition scheiterte nicht am Dilettantismus, von dem sie reichlich trank, sie scheiterte an der Identitätsstörung eines der beiden Bündnispartner.

Das größte Verdienst der Regierung war, dass es sie gab. Hätte es sie nicht gegeben, sondern die Fortsetzung des rotschwarzen Machtkartells, gebe es demnächst einen Kanzler Jörg Haider, eine Arbeiterpartei ohne Arbeiter und eine Volkspartei ohne Volk.

Anstatt also die Regierung zum Kehraus zu verwünschen (schrecklich an ihr war nur ihre Normalität), müsste ihr SP-Chef Alfred Gusenbauer retrospektiv Dank zollen, voran Wolfgang Schüssel. Dieser hat durch das Bündnis mit Haider den Niedergang der SPÖ gestoppt und den der Freiheitlichen eingeleitet.

Wäre die SPÖ mit ihren überhöhten Blutfett-Werten an der
Macht geblieben, Haider hätte sie mit dem Oppositionsfeitel weiter ausgeweidet. So hat Schüssel - aus machtgetriebenen Motiven, gewiss -Haider an die Brust genommen und am Wachstum gehindert. Er hat ihn ins Out gepokert, indem er wählen ließ. Das sollte für die Viktor Adler-Medaille reichen. ****

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