Sallmutter: Pensionen haben auf den Finanzmärkten nichts zu suchen!

Grasser/Bartenstein-Modell ist wahnwitziger Versuch zur Rettung der Wiener Börse

Wien (GPA/ÖGB). Scharf kritisiert GPA-Vorsitzender Hans Sallmutter das von den Ministern Grasser und Bartenstein präsentierte Modell zur privaten Altersvorsorge. Zur langfristigen Pensionssicherung sei es völlig ungeeignet und in Wahrheit ein hilfloser Versuch zur Wiederbelebung der kränkelnden Wiener Börse.++++

Eine Pensionssicherung über Aktieninvestments sei grundsätzlich abzulehnen. Ein kapitalgedecktes Pensionssystem sei durch den demographischen Wandel noch stärker gefährdet als das öffentliche Pensionssystem, argumentiert Sallmutter. Bei einer Kapitaldeckung seien die künftigen Aktionärspensionisten darauf angewiesen ihre Kapitalanlagen bei Pensionsantritt an die nachfolgende Generation zu veräußern. Sind aufgrund der demographischen Entwicklung nicht genug kaufkräftige Nachfrager vorhanden, ist eine massive Entwertung des Anlagekapitals vorprogrammiert, argumentiert Sallmutter Weitere Nachteile seien die enormen Administrationskosten, das Inflationsrisiko und die Unmöglichkeit konkreter Leistungszulagen.

Das von Grasser und Bartenstein vorgestellte Modell sei darüber hinaus auch innerhalb der Logik der Befürworter der privaten Pensionsvorsorge völlig absurd. Eine Konzentration der Investments auf den engen Markt der Wiener Börse widerspreche allen Regeln der Risikostreuung. Die versprochene Kapitalgarantie lasse sich zudem nur durch massive steuerliche Subventionierung finanzieren. "Das öffentliche Pensionssystem ist angeblich unfinanzierbar, aber für die private Pensionsvorsorge ist dem Mr. Null-Defizit nichts zu teuer", kritisiert Sallmutter.

Sallmutter macht auch auf eine seltsame Diskrepanz zum Modell der Mitarbeitervorsorgekassen (MVK) aufmerksam. Bei den MVK, die maximal 40% des Kapitals in Aktien veranlagen dürfen, wird eine Verzinsung von 6% unterstellt. Beim Grasserschen Privatpensionsmodell mit einem verpflichtenden Aktienanteil von 60% gibt man sich mit 4,5% wesentlich vorsichtiger. "Den Unterschied muss mir einmal jemand erklären. Wieso wird bei der wesentlich risikoärmeren Veranlagungsform der MVK eine Traumrendite von 6% unterstellt und bei der hochspekulativen Aktienpension nur 4,5%? Die Regierung gesteht damit ein, dass eine Verzinsung im Ausmaß von 6% in Wahrheit unrealistisch ist. Das MVK-Modell muss in diesem Punkt dringend adaptiert werden, ansonsten ist das ein Fall von Anlagebetrug", sagt Sallmutter.

ÖGB, 19. September 2002
Nr. 716

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