"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Nicht regierungsfähig" (Von Peter Plaikner)

Ausgabe vom 19. September 2002

Innsbruck (OTS) - Mathias Reichhold ist die beste Wahl, die eine schwer angeschlagene FPÖ treffen kann. Mit ihm als Chef und wohl auch Spitzenkandidaten wird sich die Partei in neuneinhalb Wochen besser schlagen, als Umfragen heute vermuten lassen. Wahrscheinlich so gut, dass Schwarz-Blau sich wieder ausgeht. Rechnerisch.

Der neue Obmann genießt den Ruf des Sanierers. Als er vor acht Monaten ins Infrastrukturministerium kam, war es infolge der Ressortchefs Schmid und Forstinger ein riesiger Unfallherd. Der Kärntner Biobauer hat ihn schnell entschärft und sich rasch profiliert.

Mit hohem Tempo versucht Reichhold auch, noch vor seinem Amtsantritt den blauen Acker kräftig umzupflügen. Nach Entfernung allen Unkrauts will er am Wahltag die Regierungsfähigkeit als Ernte einbringen.

Diese internen Maßnahmen sollen öffentlichkeitswirksam sein. Aber im Hintergrund werden bereits die Zügel sichtbar. Kärntens Parteichef Strutz fordert die Rücknahme der Neuwahlentscheidung und eine Personalunion von FP-Obmann und Spitzenkandidat. Strutz dient als Lautsprecher, wenn Haider nicht reden will.

Mathias Reichhold ist herzeigbar. Doch er kann (und mag?) die Grundstruktur der Freiheitlichen so wenig ändern, wie dies seine Vorgängerin Susanne Riess-Passer tat. Er wird Obmann einer Partei, deren Bodensatz sich keiner Funktion und nur einer Person unterordnet.

Haiders Fanclub bleibt jederzeit bereit, auf Zeichen des Führers die wahren Machtverhältnisse klarzustellen. Knittelfeld ist beliebig wiederholbar. Jede schwarz-blaue Regierung wäre per Signal aus Klagenfurt zerstörbar.

Reichhold, Grasser, Riess & Co. verpassen die Chance, eine rechtsliberale Partei mit guten Wahlchancen zu gründen. Das Zeitfenster dafür steht nur kurz offen.

VP-Klubchef Khol vergleicht das schwarz-blaue Projekt mit dem Durchqueren der Wüste Gobi. Doch in Wirklichkeit geht es darum, ob jemand die Macht gewinnt, Haider in die Wüste zu schicken. Der neue Besen kehrt bloß Sand aus dem Getriebe.

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