"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Placebo" (Von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 19. 9. 2002

Graz (OTS) - Lahmende Konjunktur, steigende Preise, hohe Arbeitslosigkeit, neue Staatsschulden. Am vorzeitigen Ende ihrer Amtszeit steht die zerbrochene Wende-Regierung mit leeren Händen da:
Kein Nulldefizit, keine Steuerreform, keine Vollbeschäftigung.

Zweifellos war viel Pech dabei. Die schwarz-blaue Koalition hatte ihren Start am Scheitelpunkt einer überhitzten Hochkonjunktur. Man glaubte, mit dem neuen Jahrtausend wäre ein goldenes Zeitalter angebrochen. Der 11. September war ein böses Erwachen. Der prognostizierte Aufschwung lässt weiter auf sich warten, die Angst vor einer langen Durststrecke wächst.

Im letzten Abdruck wird hastig ein Konjunkturpaket geschnürt, dessen Verpackung pompöser als der Inhalt ist. Den Lehrlingsscheck kann man immerhin als innovative Maßnahme werten, was man sonst nicht behaupten kann. Am Tiefpunkt der Börsen Aktien als Pensionsvorsorge anzupreisen, ist ein Scherz. Die Nachlässe bei den Sozialbeiträgen sind Brosamen. Die Investitionsprämie ist ein verspäteter Anreiz. Das Konjunkturpaket wird noch weniger bewirken als die Beschäftigungsprogramme der roten Kanzler zuvor. Wolfgang Schüssel verschreibt Placebo. ****

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