"Wo endet die institutionelle Kinderbetreuung?" In Österreich fehlen 100.000 Betreuungsplätze für Schulkinder

Auftakt zum Wettbewerb "innovative Kinderbetreuungsmodelle". Pressekonferenz, 18.9.2002, 10.30 Uhr, Cafe Landtmann

Wien (OTS) - Mindestens 100.000 Kinderbetreuungsplätze für Kinder von sechs bis 15 Jahren fehlen in Österreich. Bei den unter Sechsjährigen ist zwar eine Vollversorgung gegeben, es fehlt aber an Kinderbetreuungslösungen für außergewöhnliche Betreuungszeiten und -wünsche der Eltern von unter Dreijährigen und Kindergartenkindern, stellte heute der Präsident des Österreichischen Familienbundes, Mag. Otto Gumpinger anlässlich eines Pressegespräches fest.

Gerade durch die Einführung des Kinderbetreuungsgeldes und die Möglichkeit für Mütter bis zu 14.500 Euro dazuzuverdienen, haben sich individuelle Kinderbetreuungsbedürfnisse entwickelt, denen institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen in der bestehenden Form oft aus finanziellen Gründen nicht Rechnung tragen können

Es entspreche daher nicht der Realität immer wieder stereotyp davon zu sprechen, dass über 100.000 Betreuungsplätze für unter Sechsjährige fehlen und weiterhin zu diesem Zweck Kindergärten gebaut werden sollen. In Linz zum Beispiel seien die Anmeldezahlen für Kinderkrippenplätze seit Jänner 2002 um zwei Drittel zurückgegangen. Gumpinger machte in diesem Zusammenhang auch darauf aufmerksam, dass in Linz und in St.Pölten bereits Kindergartengruppen geschlossen werden mussten.

Nachmittagsbetreuung für Schulkinder

Andererseits ist das Angebot einer Nachmittagsbetreuung für Schulkinder als beschämend zu bezeichnen. Laut Mikrozensus Berichtsjahr 2001/2002 (Auskunftsdienst des Statistischen Zentralamtes) werden lediglich weniger als 3,8% der Schulkinder am Nachmittag außerhäuslich betreut. Der Mikrozensus 1995 ergab einen österreichischen Bedarf von knapp 140.000 zusätzlichen Betreuungsplätzen für die 0 bis 15 jährigen, wobei fast drei Viertel davon, also 105.000 Plätze für Kinder zwischen 6 und 15 Jahren benötigt würden.( aus: Familienbericht 1999).

Im Berichtsjahr 2001/2002 werden in Österreich laut dem Auskunftsdienst des Statistischen Zentralamtes 848 Horte bzw. Nachmittagsbetreuungen mit 1806 Gruppen angeboten. Wie der Statistik weiter zu entnehmen ist, werden 36.580 Schulkinder am Nachmittag institutionell betreut (von insgesamt 942.624 Kindern zwischen 6 und 15 Jahren). Demgegenüber stehen 432.000 berufstätige Mütter in dieser Alterskategorie der Kinder.

Vollständigerhalber muss erwähnt werden, dass von diesen Müttern 132.500 teilzeitbeschäftigt sind.

Die Zukunft müssen flexible, an den Bedürfnissen der Kinder und Eltern orientierte Kinderbetreuungsmodelle sein, die keine starren Öffnungszeiten haben und auf spontane Betreuungswünsche von Eltern reagieren können.

Österreichweiter Wettbewerb "innovative Kinderbetreuungsmodelle"

Aus diesem Grund startet der Österreichischen Familienbund gemeinsam mit dem Verein "Family Business" den Wettbewerb "innovative Kinderbetreuungsmöglichkeiten". Beim Wettbewerb werden Kinderbetreuungsmodelle von Institutionen, Vereinen und Privatanbietern, bzw. Elterngruppen gesucht, die vor allem außerhalb der institutionellen Kinderbetreuung was Öffnungszeiten , Betriebsabläufe, Ausstattung, und Angebote betrifft, Lösungen anbieten.

Der Wettbewerb wird in Printmedien beworben, ergeht an alle Gemeinden und Kinderbetreuungseinrichtungen, die Family Business im Internet aufgelistet hat.

Einsendeschluss ist der 31.Oktober 2002.

Eine qualifizierte Jury bestehend aus Psychologen (Univ.Prof. Dr. Brigitte Rollett), Kindergartenpädagogen, Medienvertretern, befassten Politikern und Eltern, wird die drei innovativsten Modelle auswählen. Diese werden bei einer Festveranstaltung im Dezember in der Industriellenvereinigung präsentiert und erhalten einen Geldpreis für dringende Anschaffungen in der Kindergruppe.

Rückfragen & Kontakt:

Österreichischer Familienbund
Alice Pitzinger-Ryba
Tel.: 02742/77304/12, 0676/528 15 85

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