"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Der Strohhalm will Eiche sein (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 18.09.2002

Klagenfurt (OTS) - Mathias Reichhold ist der Strohhalm der Freiheitlichen Partei. Niemand sollte sich der Täuschung hingeben, Reichhold wäre mehr als ein politischer Strohhalm. Das war ja der Grund, warum Jörg Haider den freundlichen und durchaus gewinnenden Bauernburschen so ungefährdet als Platzhalter einsetzen konnte, wo immer er einen brauchte. Wie schwer Strohhalm Reichhold auf eigenen Füßen zu stehen vermag, zeigte zuletzt sein gleich um einen ganzen Tag verdribbelter Rücktritt als Regierungsmitglied und Parteifunktionär.

Aber immerhin. Reichhold hatte sich zum zweiten Mal endgültig darauf besonnen gehabt, dass ein Strohhalm auf den Bauernhof gehört. Nur, wenn die anderen rufen und sich am Strohhalm festhalten wollen, fühlt man sich gleich als Eiche. Welch tragischer Irrtum. Genau diesen ist Reichhold im Begriff zu begehen.

Das muss nicht unsere Sorge sein. Etwas besorgter sollte man aber sein, wenn man sich Reichholds politischen Stallgeruch vornimmt. Seine "politischen Ideen" waren bisher immer von Jörg Haider vorgekaut und mehr oder weniger appetitlich ausgeschieden. Reichhold war der Perfektionist im Nachbeten Haider'scher Worte. Und wenn er gewünscht hätte, dass Mathias den Namen ändert, Reichhold hätte es getan. Und wenn Haider längst friedlich im Bodental lebt, Reichhold wird sein Platzhalter bleiben.

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