"Kleine Zeitung" Kommentar: "Voodoo-Plattform" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 12.09.2002

Graz (OTS) - Politiker wechseln ihre Grundsätze mitunter so oft
wie das Hemd. Wolfgang Schüssel hat das Tuch des Staatsmannes ausgezogen und ist in den Rock des Wahlkämpfers geschlüpft. An seinen Prinzipien habe sich trotzdem nichts geändert, beteuert der Bundeskanzler, doch hätten die Neuwahlen den Fahrplan über den Haufen geworfen. Deshalb müsse die noch amtierende Regierung schweren Herzens den Kauf der Abfangjäger der künftigen Regierung überantworten.

Eine Steilkurve, die selbst die Piloten im Eurofighter den Schleudersitz ziehen lässt.

Noch abrupter warf bloß Jörg Haider das Steuer herum. Zuerst war er für die Eurofighter, jetzt ist er gegen sie.

Alfred Gusenbauer wird es zwar nicht als Kompliment auffassen, aber auch seine Partei wechselte die Fronten. In der Regierung war sie für die Abfangjäger, in der Opposition ist sie dagegen.

So elegant wie Schüssel änderte aber niemand den Kurs. In leuchtenden Farben malte er das Projekt einer "Wirtschaftsplattform", auf der die Abfangjäger landen würden, weil sie sich gleichsam selbst finanzieren.

Eine Wunderplattform. Schüssel ist der Anwärter für den Nobelpreis in Voodoo-Ökonomie. ****

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