DER STANDARD-Bericht: 63 Prozent begrüßen Neuwahl - Erscheinungstag 10.9.2002

Wien/Linz (OTS) - Eine Blitzumfrage für den Standard zeigt: Vom Kollaps der FPÖ- Führung profitieren SPÖ und Grüne. Nur 31 Prozent wünschen sich, dass erst in einem Jahr gewählt wird, fast zwei Drittel sind für Neuwahlen. Doch obwohl Schwarz-Blau derzeit nur mehr von 17 Prozent gewünscht wird, sind 77 Prozent für eine Fortsetzung des bisherigen Kurses.

63 Prozent der befragten Wahlberechtigten haben in einer aktuellen market- Umfrage für den Standard die nun anstehenden Neuwahlen begrüßt - nur weniger als ein Drittel der Befragten wünscht sich, dass diese Regierung noch ein Jahr weitermacht.

77 Prozent der 400 Befragten sind allerdings dafür, dass "die begonnenen Reformschritte wie Nulldefizit, Verwaltungsreform etc." fortgesetzt werden, auch unter deklarierten Anhängern der Oppositionsparteien wünscht sich nur ein Viertel eine Änderung der grundsätzlichen Regierungspolitik.

Die am Montag durchgeführte Umfrage zeigt, dass knapp die Hälfte der Befragten in dem Aufstand gegen Susanne Riess-Passer einen grundsätzlichen Kurswechsel der Freiheitlichen sieht, etwa ebenso viele sehen das anders. "Da ist die Meinungsbildung wohl noch nicht abgeschlossen", meint Studienleiter David Pfarrhofer von market.

Eine weitere market-Umfrage für den ORF belegt, dass die nun meistgewünschte Regierungsform eine SPÖ-ÖVP-Koalition (37 Prozent) ist. 23 Prozent sind für Rot-Grün, nur 17 für Schwarz-Blau.

Die letzten Hochrechnungen haben jedenfalls einen stetigen Schwund an Unterstützung für die Freiheitlichen ausgewiesen: Letzte Woche hat market bei seiner wöchentlichen Umfrage einen Wert von nur 19 Prozent für die FPÖ ermittelt, womit eine psychologisch wichtige Schmerzgrenze unterschritten ist. Die ÖVP dagegen hat sich auf 29 Prozent stabilisiert - allerdings mit deutlichem Abstand zur SPÖ. Die langfristige Betrachtung (und die große Grafik auf dieser Seite) zeigt, dass es für die SPÖ einen Aufwärtstrend gibt, für die FPÖ dagegen einen Abwärtstrend.

Für den Standard hat market am Montag erhoben, welche Partei die Österreicher jetzt als gestärkt und welche sie als geschwächt erleben:

66 Prozent sehen die SPÖ als die Gewinnerin der momentanen politischen Situation, nur 20 Prozent sehen sie als geschwächt an.

Umgekehrt sind 76 Prozent der Meinung, dass die FPÖ geschwächt ist -nur zehn Prozent glauben ernsthaft, dass der Streit gut getan habe.

Die Kanzlerpartei ÖVP wird von einer relativen Mehrheit (45 Prozent) als Gewinnerin der Krise gesehen, 37 Prozent sehen sie aber auch belastet.

Die Grünen werden ebenso wie die SPÖ als Gewinner eingeschätzt -nämlich von 60 Prozent (24 Prozent sehen sie als durch die momentane Situation benachteiligt).

Das Hauptproblem der FPÖ ist, dass sie in den zweieinhalb Jahren seit der Regierungsbeteiligung ein Verliererimage aufgebaut hat: 1999 war sie in der Wahl knapp zweitstärkste Partei geworden, in den Umfragen während der so genannten Sondierungsgespräche im Winter 1999/2000 hatte sie sogar noch zugelegt und fast das Niveau der SPÖ erreicht.

Ab dem Zeitpunkt der Regierungsbeteiligung war dann alles anders:
Als Regierungspartei, deren Reformen durchaus auch Einschnitte für den sonst umworbenen "kleinen Mann" brachten, sackte die FPÖ in der Wählergunst sofort ab. Und das wurde nicht nur in Umfragen, sondern auch in den folgenden Wahlgängen belegt.

Summiert man die Ergebnisse der drei Landtagswahlen seit der schwarz-blauen Regierungsbildung, so zeigt sich ein durchgehender Trend: Die FPÖ hat überall verloren. Nimmt man nur die Parteistimmen bei der Nationalratswahl am 3. Oktober 1999 zum Vergleich, so summieren sich die Verluste auf 198.571 Stimmen.

Für die FPÖ besonders ärgerlich sind die überraschend deutlichen Gewinne ihres Koalitionspartners ÖVP: Sie hat bei den drei Länderwahlen in Summe 111.172 Stimmen dazugewonnen.

Man muss allerdings berücksichtigen, dass gerade in der Steiermark Bundes- und Landeswahlen unterschiedlich entschieden werden. Man kann also nicht ohne weiteres sagen, dass die ÖVP unter dem Kanzler Schüssel um 100.000 Wähler stärker und die FPÖ unter der Vizekanzlerin Riess- Passer um 200.000 Wähler schwächer geworden ist. Dennoch werden solche Verschiebungen als Signal empfunden, vor allem bei einer Partei, die scheinbar "ständig verliert" - was von 1986 bis 1999 das Schicksal der ÖVP in der Großen Koalition gewesen ist. Und was die FPÖ selbst in den Jahren 1983 bis 1986 erlebt hat. Übrigens:
Während Jörg Haider hofft, dass ein Ende der Koalition zu einem besseren Ergebnis für die FPÖ führen würde als ein Verbleib in der Regierung, sind gerade die deklarierten FP-Anhänger der Meinung, dass die Regierung weitermachen sollte.

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