UNFALLBILANZ 1. HALBJAHR 2002

Zahl der Unfälle und Verletzten kontinuierlich im Steigen, aber weniger Getötete - 18 bis 24-jährige sind bei Alleinunfällen stark beteiligt!

Wien (OTS) - Die Zahlen der Unfälle und Verletzten sind auch im ersten Halbjahr 2002 nach wie vor im Steigen. Bei den Getöteten ist erfreulicherweise eine positive Bilanz zu erwarten: Die Experten des Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) prognostizieren sogar eine weitere Abnahme der Zahl der Getöteten bis zum Jahresende, sodass mit einem neuerlichen "Rekord" seit Bestehen der Unfallstatistik von 1961 zu rechnen ist. Dennoch können noch lange nicht die Hände in den Schoß gelegt werden, ist KfV-Direktor Dr. Othmar Thann überzeugt:
"Der Weg ist der Richtige. Tatsache ist dennoch, dass Österreich im EU-Vergleich in Bezug auf die Anzahl der Getöteten im Straßenverkehr den wenig rühmlichen neunten Platz einnimmt."

Vom 1.1. 2002 bis 30.6. 2002 ereigneten sich - nach vorläufigen Ergebnissen - auf Österreichs Straßen:

· 19.493 Unfälle mit Personenschaden (2001: 19.047), eine Steigerung von 2,3 %.
· 25.809 Verletzte (2001: 25.030), das ergibt eine Steigerung von 3,1 %.
· 402 Tote (2001: 427), die Zahl der Getöteten ist um 5,9 % gesunken.

18 bis 24-jährige sind bei Alleinunfällen stark beteiligt!

Bei den Alleinunfällen - das sind jene Unfälle, bei denen nur ein Fahrzeug beteiligt ist - gab es im ersten Halbjahr 2002 eine Steigerung um 1,5 Prozent. 4.241 Alleinunfälle (1. Halbjahr 2001:
4.179) mit 5.036 Verletzten und 157 Getöteten wurden im ersten Halbjahr 2002 verzeichnet. Noch immer geht aber mehr als ein Drittel dieser Unfälle auf das Konto von Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren. Im ersten Halbjahr 2002 wurden 2.043 Jugendliche verletzt und 53 getötet. "Damit das sinnlose Sterben der jungen Lenker auf österreichischen Straßen ein Ende nimmt, wurde heuer mit der Einführung der Mehrphasenfahrausbildung ein erster Schritt in Richtung mehr Sicherheit für junge Fahrer gesetzt. Mit dieser vom KfV lange geforderten Verbesserung der Lenkerausbildung besteht eine reelle Chance Fahranfänger-Unfälle wirksam zu bekämpfen", zeigt sich Thann zuversichtlich.

Diskussionen zeigen Wirkung: Rückgang bei Auffahrunfällen

Im ersten Halbjahr 2002 gab es insgesamt 5.028 Unfälle bei denen auf ein stehendes oder fahrendes Fahrzeug aufgefahren wurde, dabei wurden 7.495 Personen verletzt und 36 getötet. Das bedeutet einen Rückgang bei den Verletzten um 2,2 % gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr sowie einen Rückgang bei den Getöteten um 28 %. "Der Rückgang bei den Auffahrunfällen und vor allem die starke Reduktion der Getötetenzahl ist erfreulich. Die verstärkten Diskussionen zum Thema Abstand sowie die neuen Abstandsmessgeräte der Exekutive und Markierungen auf Autobahnen haben in der Öffentlichkeit offenbar bereits Wirkung gezeigt. Eine klare gesetzliche Regelung des Abstandsverhaltens könnte diesen positiven Trend noch verstärken", so Thann.

Senioren im Ortsgebiet besonders gefährdet: KfV vehement gegen praktizierte Toleranzgrenzen

Bei den Fußgängern ist ein starker Anstieg bei den Getöteten ab ca. 60 Jahren zu bemerken. Im ersten Halbjahr 2002 wurden 29 Personen über 60 als Fußgänger im Ortsgebiet getötet (Halbjahr 2001: 23 Getötete). Vor allem Senioren sind bei Unfällen im Ortsgebiet gefährdet. Das KfV führt den Anstieg bei älteren getöteten Fußgängern auf die Missachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung zurück und kritisiert zu hohe Toleranzgrenzen (im Ortsgebiet darf ungestraft um 10 km/h schneller gefahren werden). "Für Menschen ab 60 Jahren kann ein Verkehrsunfall, der für Jüngere noch glimpflich ausfällt, den Tod bedeuten. 10 km/h mehr kann für einen älteren Menschen einen Oberschenkelhalsbruch bedeuten - die häufig tragischen Folgen kennt man! Das KfV ist für ‚ehrliche' 50 km/h im Ortsgebiet. 100 Euro sind auch keine 110 Euro wert! Wir stellen uns vehement gegen diese Praxis der ‚Toleranz'. Hier geht es nicht um Intoleranz, sondern um Fakten", zeigt sich Thann kämpferisch. Außerdem müsse dieses Problem auf internationaler Ebene diskutiert werden, so Thann und richtet einen Appell an die EU-Kommission, Überlegungen zur Verbesserung der Senioren als Fußgänger anzustellen - Stichwort "pedestrian friendly car" (Verbot der Kuhfänger, Verwendung von fußgängerfreundlichen Materialien in der Automobil-Produktion, die bereits entwickelt wurden).

Schutzweg-Unfälle: 65 Prozent der Fußgänger verunglücken auf ungeregelten Schutzwegen

Insgesamt ist die Zahl der Fußgänger-Unfälle im ersten Halbjahr 2002 leicht gesunken: 472 Fußgänger verunfallten im ersten Halbjahr 2002 auf einem Schutzweg, dabei wurden 427 Fußgänger verletzt und 12 getötet. Überraschend ist, dass 65 Prozent aller Schutzweg-Unfälle auf ungeregelten Schutzwegen passieren.

Die Verminderung des hohen Risikos der ungeschützten Verkehrsteilnehmer ist einer der zentralen Schwerpunkte der KfV-Experten. Nach Meinung der Fachleute sind Maßnahmen zur Geschwindigkeitsberuhigung innerhalb des Ortsgebietes und Querungshilfen für Fußgänger ebenso wichtig wie Rücksichtnahme und Toleranz von Seiten der motorisierten Verkehrsteilnehmer. "Ich möchte in diesem Zusammenhang in Erinnerung rufen, dass seit der Einführung der 19. StVO vom 1. 10. 94 absoluter Vorrang für Fußgänger herrscht. Der Autofahrer muss also schon stehenbleiben, sobald sich ein Fußgänger nähert und nicht erst wenn dieser den Zebrastreifen betritt", erklärt Thann.

Unangegurtet: Risiko für Pkw-Lenker neun mal höher!

Von 222 getöteten Pkw-Insassen waren 111 nicht angegurtet. Das Risiko, bei einem Unfall getötet zu werden, war im ersten Halbjahr 2002 für Gurtenmuffel siebenmal so hoch wie für angegurtete Pkw-Insassen. Für Pkw-Lenker war das Risiko sogar mehr als neunmal so hoch. Die Gurtanlegequoten der Pkw-Lenker - diese liegen im Ortsgebiet bei 70 Prozent, im Freiland und auf Autobahnen bei 77 Prozent - haben sich in den letzten Jahren kaum verändert. Bei der Gurtverwendung auf den Rücksitzen ist eine steigende Tendenz zu beobachten: Im ersten Halbjahr 2002 ist die Verwendungsquote von 45 Prozent (2001) auf 55,5 Prozent geschnellt, auf Autobahnen gar von 43 Prozent (2001) auf 60 Prozent! Dazu Thann: "Zwar liegt die Gurtverwendung auf den Rücksitzen noch weit hinter der Gurtverwendung auf den Vordersitzen. Die bisherigen Zahlen lassen aber auf einen steten Aufwärtstrend hoffen".

Verkehrssicherheitsprogramm: Höhere Reduktion bei Getöteten notwendig

Thann: "Wenn der Trend sich wie in den letzten Jahren verhält erreichen wir heuer einen historischen Tiefstand bei der Zahl der Getöteten im Straßenverkehr. Diese positive Entwicklung zeigt, dass Verkehrssicherheitsarbeit fruchtet. Dennoch gibt es keinen Grund zum Jubeln - sofern man bei Getöteten überhaupt von Jubel sprechen kann! Österreich hat sich im Österreichischen Verkehrssicherheitsprogramm das Ziel gesetzt, die Anzahl der Getöteten bis 2010 um 50 Prozent zu reduzieren. Wenn man dieses Ziel erreichen will, wäre eine höhere Reduktion in diesem Jahr notwendig. Bei den Unfällen liegen wir derzeit um 5,5 Prozent über dem festgeschriebenen Soll, bei den Getöteten um 4,1 Prozent. Es müssen daher wieder verstärkte Anstrengungen unternommen werden, um die Zahl der Getöteten dauerhaft zu senken."

KfV-Maßnahmen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr:

· Konsequente Umsetzung des Österreichischen Verkehrssicherheitsprogramms
· Klare Regelung des Abstandsverhaltens
· Senkung der Toleranzgrenzen
· Erhöhung der Mindeststrafsätze für schwere Delikte sowie eine klare und nachvollziehbare Staffelung des Strafausmaßes für: überhöhte Geschwindigkeit, Abstand, gefährliches Überholen und Geisterfahrer · Eine Verlängerung der Entziehungszeiten sowie bessere Nachvollziehbarkeit für Führerscheinentzüge bei extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen (40/50 km/h)
· Sanierung der Unfallhäufungsstellen
· Gesetzliche Verankerung des bewährten Systems der Nachschulung -auch für andere Bereiche (Rotlichtüberfahren, Geschwindigkeitsexzesse, Gefahren f. Kinder am Schutzweg, gefährliches Überholen...)

20 Todesopfer im Straßenverkehr während der vergangenen Woche, davon 11 am Wochenende

Bei den tödlichen Verkehrsunfällen in der vergangenen Woche verloren 10 Pkw-Insassen (davon 8 Lenker), 4 Motorrad-Lenker, 1 Moped-Lenker, 1 Radfahrer, 1 Lenker eines Motorkarren und 3 Fußgänger ihr Leben. Als vermutliche Hauptunfallsursachen dieser tödlichen Verkehrsunfälle mussten nichtangepasste Fahrgeschwindigkeit (7), Überholen (2), Fehlverhalten Fußgänger (2), Herzversagen (2), Vorrangverletzung (1) und Unachtsamkeit (1) festgestellt werden. Bei 5 Verkehrsunfällen konnte die Ursache bisher nicht ermittelt werden. 1 Fußgänger und 1 Radfahrer kamen durch Fremdverschulden ums Leben. 10 der 20 Verkehrsunfälle waren sogenannte Alleinunfälle. Alkoholisierung war bei einem Unfall Mitursache. 1 tödlich verletzter Fahrzeuginsasse war nicht angegurtet. 1 Fahrzeuglenker hatte keine Lenkberechtigung. Vom 1. Jänner bis zum 8. September dieses Jahres gab es damit auf dem österreichischen Straßennetz vorläufig 626 Verkehrstote (30-Tages-Fristabgrenzung berücksichtigt bis Ende Juli), im Vergleichszeitraum des Vorjahres verunglückten nach endgültigen Zahlen 659 Menschen tödlich.

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Kuratorium für Verkehrssicherheit
Mag. Gabriele Hinterkörner
Pressestelle
Tel.: (++43-1) 71 770/161
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