"Kleine Zeitung" Kommentar: "Flucht nach vorne" (von Erwin Zankel)

Ausgabe vom 9.9.2002

Graz (OTS) - Das Ende der Wende ist da. Auch wenn der Beschluss, Neuwahlen auszuschreiben, offiziell noch nicht gefallen ist, führt kein Weg vorbei. Ein Weiterschleppen der schwarz-blauen Koalition gliche den Wiederbelebungsversuchen an einer Leiche.

Das Bündnis funktionierte nur so lange der Druck von außen die Partner zum Zusammenhalten zwang. Mit dem Wegfall der Sanktionen wurden die ersten Risse sichtbar. Die als radikale und rabiate Opposition groß gewordene FPÖ verkraftete den Wechsel in die Regierung nicht. Die Zwei-Firmen-Strategie war nicht durchzuhalten, weil die Vizekanzlerin die Partei nie in den Griff bekam. Als sich Susanne Riess-Passer weigerte, die Parteiführung wieder an Jörg Haider zurückzugeben, nahm das Schicksal seinen Lauf.

Es drohte ein Schrecken ohne Ende. Vielleicht hat Haider darauf spekuliert, dass Wolfgang Schüssel alles einstecken wird, nur um länger auf dem Sessel des Bundeskanzlers sitzen zu können. Schüssel wird jedoch die Flucht nach vorne antreten, weil er glaubt, gegenüber Haider zu punkten und Rot-Grün unvorbereitet auf dem falschen Fuß zu erwischen.

Eine kühne Hoffnung. Sicher ist nur, das es Schwarz-Blau nicht mehr geben wird. ****

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