Oberösterreichische Nachrichten Kommentar 7. Sept. 2002 "Das Ende von der Wende" von Hans Köppl

Kasperltheater, Verarschung, Kränkung, Realitätsverlust und so weiter. Gleichgültig, welche Deutung das Geschehen in der Freiheitlichen Partei zuletzt erfahren hat, das schwarz-blaue Regierungsprojekt, das den Österreichern als Wende dargestellt wurde, kann als gescheitert betrachtet werden. Es nähert sich mit atemberaubender Dynamik dem Ausgangspunkt am Jahreswechsel 1999/ 2000, zu. Wann immer der nächste Nationalratswahltermin fällig ist, die Wahrscheinlichkeit einer Fortsetzung des zwischen Wolfgang Schüssel und Jörg Haider geschmiedeten Projekts tendiert gegen Null.

Ohne ideologische Scheuklappen betrachtet (Widerstand, weil nicht sein kann, was nicht sein darf), ist festzustellen, dass die Rechnung Wolfgang Schüssels, Jörg Haider zu zähmen und seine Partei regierungs- und damit hoffähig zu machen, nicht aufgegangen ist. Jörg Haider ist nicht zu zähmen. Dazu braucht man keine Psychotherapeuten zu bemühen, das wird auch bei rationaler Betrachtung klar. So viel Selbstaufgabe von einem zu verlangen, der die Wählerschaft seiner Partei beinahe versechsfacht hat, und der auch selbst weiß, welches politische Kaliber in ihm steckt, ist entweder naiv oder kurzfristiges Kalkül zu Begründung eines Experiments, das viele als Tabubruch ansahen.
Symptomatisch der Appell des Tiroler FP-Chefs Willi Tilg: QJörg, du hast die Partei zu dem gemacht, was sie heute ist.../ Das spannt den Bogen vom Aufstieg bis zum gegenwärtigen, in den Umfragen abzulesenden Niedergang. Auf dem Papier seit mehr als zwei Jahren nur noch ein einfaches Parteimitglied, wenngleich als Landeshauptmann auch nach außen hin weiter ein Spitzenpolitiker, ist Jörg Haider in jeder Phase die treibende Kraft dieser Partei geblieben. Der Bruch mit der Regierungsfraktion, insbesondere mit Vizekanzlerin Riess-Passer und Finanzminister Grasser, verdeutlicht die Dominanz Haiders in geradezu makabrer Weise. Der Mann, der vor gut einer Woche so deutlich wie nie zuvor verkündet hatte, sich aus der Bundespolitik zurückzuziehen und aus der Kärntner Distanz nur noch zuzusehen, wie sich die Koalition und damit vor allem seine Regierungsmannschaft im Jahr vor der Wahl schlägt, genau dieser Mann allein hat es in der Hand, seine Minister zu stürzen, die Koalition zu sprengen und das schwarz-blaue Experiment zu beenden.

So sieht es auch der oben erwähnte Willi Tilg, der seinem Appell die Bitte anfügte g...nur du kannst verhindern, dass dein Werk durch einige Wenige nachhaltig beschädigt wird.i Beschädigt ist dieses Werk schon länger, Jörg Haider selbst hat ihm den größten Schaden zugefügt. Das haben inzwischen nicht nur einige wenige in seiner Partei erkannt, das ist auch vielen Überläufern aufgefallen, die 1999 von den Altparteien (in der damaligen Diktion Haiders) angewidert waren. Deren Enttäuschung kommt unverdientermaßen wieder der SP zugute, die zusammen mit den Grünen auf die Wende demnächst die Kehrtwendung folgen lassen könnten.

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