Klestil/Bundesheer

Tagesbefehl von Bundespräsident Thomas Klestil anläßlich des "1.Traditionstages des Österreichischen Bundesheeres" am 7. September 2002

Offiziere, Unteroffiziere, Chargen und Rekruten,
Soldaten des Milizstandes und Angehörige der Heeresverwaltung!

Zu ersten Mal hält das österreichische Bundesheer einen Traditionstag ab, der an die Verabschiedung des Wehrgesetzes am 7. September 1955 erinnert. Damals beschloß unser Parlament den rechtlichen Rahmen für die Bildung der Personalstände und die Aufstellung von Verbänden des Bundesheeres.

Überdies wurde damals die allgemeine Wehrpflicht verankert, die bis heute nichts von ihrer Bedeutung verloren hat. So haben fast zwei Millionen junge Österreicher seit 1955 die Uniform unseres Heeres getragen und gelobt, "mit allen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volk zu dienen". Viele von ihnen haben auch in schwierigen Zeiten eine wichtige Aufgabe für unser Land erfüllt und sich damit höchste Anerkennung verdient. Ich erinnere nur an die Ungarnkrise 1956, an den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in der Tschechoslowakei 1968 oder an die militärischen Auseinandersetzungen beim Zerfall Jugoslawiens vor mehr als zehn Jahren.

Österreich hat in all dieser Zeit dank seines Bundesheeres seine Souveränität und Integrität nach außen unmißverständlich unter Beweis gestellt; und österreichische Soldaten haben sich bei vielen Einsätzen im In- und Ausland bewährt: Heute erfüllen Angehörige unseres Bundesheeres im Assistenzeinsatz die schwierigen Aufgaben des Grenzschutzes, sie sind bei Naturkatastrophen unverzichtbare Helfer der Zivilbevölkerung und sie treten in Krisenregionen der Welt für die Erhaltung und Sicherung des Friedens auf.

So gilt rückblickend mein Dank heute all jenen, die im Laufe von 47 Jahren unser Bundesheer unter schwierigen Bedingungen sowie viel Enthusiasmus aufgebaut haben; und ich danke im Blick auf die Zukunft jenen Verantwortlichen, die an Reformen mitwirken. Denn nach dem Ende des Kalten Krieges stehen europäische Solidarität und die Teilnahme Österreichs an der gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union im Vordergrund unserer Bemühungen.

Als Bundespräsident und Oberbefehlshaber gratuliere ich dem Österreichischen Bundesheer namens der Republik Österreich zu seinem Festtag. Und ich bitte alle Offiziere und Soldaten um ihre Treue und Solidarität - gehört es doch zu den besten Traditionen unseres Bundesheeres, sich seiner Wurzeln in unserer Heimat und der Verantwortung für die Menschen dieses Landes bewußt zu sein. Und schließlich ist unser Heer auch eine wichtige Schule der Demokratie, die nicht nur zu Autorität und Gehorsam verpflichtet, sondern auch Aufgeschlossenheit und Menschlichkeit fordert.

In diesem Geiste bitte ich Sie um Ihre Mitarbeit.
Es lebe das Österreichische Bundesheer, es lebe die Republik Österreich!

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