ÖIAG-Betriebsräte gegen neues Unternehmenskonzept

Vorauseilender Gehorsam des ÖIAG-Vorstandes

Wien (ÖGB). Der ÖIAG-Vorstand hat heute ein Unternehmenskonzept zur Diskussion vorgelegt, welches den Verkauf aller Beteiligungen und die Auflösung der ÖIAG im Jahre 2007 vorsieht. Der Vorsitzende der ÖIAG-Betriebsräte, Helmut Oberchristl: "Die Arbeitnehmervertreter im ÖIAG-Aufsichtsrat lehnen diese Diskussionsgrundlage in dieser Form ab. Sie können sich mit so einem Plan nicht identifizieren. Wir halten nach wie vor die Position von AK, ÖGB und der Betriebsräteorganisation ARGE-ÖIAG-Gruppe für richtig, dass die ÖIAG an wichtigen Unternehmen und Konzernen die Rolle eines stabilsierenden Kernaktionärs behält." ++++

Die Positionierung der ÖIAG und ihr Einfluss gegenüber den einzelnen Unternehmen/Konzernen erfordere eine spezielle Analyse und Diskussion und habe laufend zu erfolgen.

Oberstes Ziel muss dabei nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter das Wohl jedes Unternehmens/Konzerns sein, wobei
O die Erhaltung und Weiterentwicklung, eine hohe Wertschöpfung in Österreich durch die Betriebe und deren Umfeld und damit
O qualitativ und einkommensmäßig hochwertige Arbeitsplätze im Vordergrund der Beurteilung zu stehen haben.

Oberchristl: "Die ÖIAG hat eine solche Rolle bis Ende 1999 innegehabt. Erst die heutige Bundesregierung hat sich dem totalen Abverkauf ohne Wenn und Aber und ohne Rücksicht auf die möglichen Auswirkungen für die EU-Region Österreich, seine Wirtschaft, seinen Finanzmarkt und vor allem seine Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben."

Betriebe ausländischer Unternehmen/Konzerne sind für Österreich ebenso wichtig wie die bestehenden heimischen Betriebe. Es ist aber unbestritten, dass letztlich der/die Eigentümer die langfristige Entwicklung bestimmen und jeder Fehler bei einem Eigentümerwechsel kann Betriebe, Know-how, industrielle Dienstleistungen, Zulieferbetriebe und immer vor allem die Beschäftigungsmöglichkeiten gefährden.

Semperit-Reifen ist Symbol für verfehlte Politik geworden

Oberchristl: "Der 'normale' Österreicher kann nicht vom Super-Börsen-Kurs der Unternehmen leben, welche die Betriebe in Österreich schließen und ins Ausland verfrachten. Wir brauchen hier qualitativ und einkommensmäßig hochwertige Arbeitsplätze."

Daher sei eine Steuerungsmöglichkeit, wie sie die ÖIAG bieten würde und früher dargestellt hat, notwendig. Sie habe vor allem dem notwendigen Beteiligungsmanagement im Sinne gesetzlich klar zu definierender strategischer Zielsetzungen im Interesse des Bundes zu dienen. Oberchristl: "Nur die Politik kann eine solche Zielsetzung langfristig sichern. Von anderen österreichischen Aktionärsgruppen, so willkommen sie auch sein mögen, kann dies nicht verlangt werden." (ff)

ÖGB; 6. September 2002
Nr. 687

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Peter Bernaschek
Sekretär der ARGE-ÖIAG-Gruppe
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