Kirchen zum 11. September

Erklärung des Vorstandes des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich

Wien (epd Ö) Zu einer "intensiven Beteiligung an dem Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" haben die christlichen Kirchen in Österreich aufgerufen. In einer Erklärung, die der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) anlässlich des Jahrestages der Terroranschläge in New York am 11. September veröffentlicht hat, fordern die Kirchen die weltweite Anerkennung des internationalen Strafgerichtshofes, die Erfüllung des Kyoto-Abkommens und der Beschlüsse von Johannesburg sowie eine Stärkung der UNO vor allem durch größere finanzielle Unabhängigkeit.

In der Erklärung ermutigen die Kirchen zu einer verstärkten Beteiligung an der Dekade zur Überwindung von Gewalt und zur Mitarbeit an internationalen Netzen, "die sich dafür einsetzen, dass auch die Armen an Bildung, an der Gesundheitsvorsorge und an den kulturellen Gütern Anteil erhalten". "Wir wissen, dass wir dafür auch unseren Lebensstil ändern müssen und setzen uns für eine verantwortbare und nachhaltige Lebensqualität ein", heißt es in der von der ÖRKÖ-Vorsitzenden, Oberin Prof. Christine Gleixner (Römisch-katholische Kirche), und ihren Stellvertretern, Bischof Mag. Herwig Sturm (Evangelische Kirche A.B.) und Chorepiskopos Dr. Emanuel Aydin (Syrisch-orthodoxe Kirche), unterzeichneten Erklärung.

"Der 11. September 2001, die Terroranschläge gegen die beiden Türme des World-Trade-Center in New York, haben über 2000 Menschen das Leben gekostet und ihren Angehörigen viel Leid und Elend verursacht. Wir gedenken aller Betroffenen", so die Kirchenvertreter. Für viel mehr Menschen habe sich durch dieses Ereignis das Weltbild verändert:
"Die Verletzlichkeit unserer Zivilisation für gezielte Gewalt und terroristische Aktionen ist schlagartig überdeutlich geworden. Das Lebensgefühl einer Gesellschaft, in der Sicherheit und Lebensqualität machbar erschienen bei entsprechenden finanziellen Ressourcen, ist fragwürdig geworden."

In ihrer Erklärung verweisen die Kirchen auf die Hintergründe der Ereignisse vom 11. September: die dramatisch wachsende Ungleichheit zwischen armen und reichen Ländern, die zunehmende Verarmung bis unter das Existenzminimum von bald über einer Milliarde Menschen, die Hilfslosigkeit und das Ausgeliefertsein von einzelnen Ländern und ganzen Regionen gegenüber den Zentren der Wirtschaft und der militärischen Macht. Daher gedenken die Kirchen am Jahrestag der Terroranschläge des 11. September 2001 auch "der Opfer einer gnadenlosen Weltwirtschaft, der Opfer von verantwortungslosen Finanzspekulationen und der Opfer von Umweltkatastrophen aufgrund der Klimaveränderung, die von den größten Energieverbrauchern nicht ernst genommen würden.

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