"Das Überleben der Eisenbahnen durch fairen Wettbewerb sichern"

Vinois: Bahnen müssen ihre nationale Ausrichtung ablegen -Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform unbestritten

Wien (PWK635) Die Eisenbahnen müssen sich in den europäischen Binnenmarkt integrieren und ihre nationale Ausrichtung ablegen, erklärte Jean Arnold Vinois, Leiter der Abteilung für eisenbahn- und kombinierte Transporte in der Generaldirektion-TREN der Europäischen Kommission.

Jahrzehnte hindurch hätten die Eisenbahnen einen "Staat im Staat gebildet", mit eigenen Regeln und Sicherheitsvorschriften, die ein nahezu unüberwindliches Hindernis für potenzielle Newcomer am Markt darstellten und teilweise immer noch darstellen. Deshalb sei es dringend notwendig, die Objektivierung und Europäisierung dieser Regelwerke voranzutreiben, wie dies nun mit dem zweiten Infrastrukturpaket der EG-Kommission erfolgen soll. Die Regierungen der Mitgliedstaaten der Europäischen Union seien sicherlich nicht bereit, weiterhin jährlich über 40. Mrd. Euro Steuergelder für die Eisenbahnen zur Verfügung zu stellen, zeigt sich Vinois überzeugt.

Dass die Eisenbahnen sich zu modernen europäischen Transportdienstleistern entwickeln müssen, war auch die einhellige Meinung der übrigen Teilnehmer der gut besuchten Tagung.

Im Vergleich mit den anderen europäischen Bahnen habe die ÖBB allerdings einen Spitzenplatz inne, stellte Dr. Wolfgang Scharinger, Leiter des Geschäftsbereiches Güterverkehr der ÖBB, fest. Immerhin haben die ÖBB einen Markanteil von über 30 % am Güterverkehr, im Vergleich von unter 10 % im europäischen Durchschnitt.

Dr. Harald Brock, Prokurist der Wiener Lokalbahnen, betonte, dass der Begriff "Eisenbahn" schon seit einigen Jahren nicht mehr ausschließlich die klassische Staatsbahn im herkömmlichen Sinn bedeuten müsse und unterstrich die Leistungen der österreichischen Privatbahnen. Während in Deutschland 254 Privatbahnen lediglich 4 % des Eisenbahnmarktes abdecken, sind es in Österreich über 10 % des Eisenbahn-Güterverkehrs, die auf die Privatbahnen entfallen.

Dass es allerdings noch zahlreiche Behinderungen und Erschwernisse für einen wirklich freien Marktzugang gibt und dass der Wettbewerb weiter gestärkt und ausgebaut werden muss, zeigten sich auch die anderen Teilnehmer, allen voran Dkfm. Heidegunde Senger-Weiß (Geb. Weiß AG) sowie Dipl.-Ing. Wolf-Dieter Hoepner (MdF-Hallein) überzeugt. Auch im Personenverkehr sei Wettbewerb die einzige Möglichkeit, um dem Kostendruck, dem auch die öffentliche Hand unterliegt, zu begegnen, so Dipl.-Ing. Otfried Knoll von der NÖ Verkehrsorganisation GmbH.

Wie die engagierte, teilweise auch emotional geführte Podiumsdiskussion mit dem Publikum ergab, liegen die Schwierigkeiten aber oftmals im Detail. Es werde sicherlich noch mehrere Jahre dauern, bis der faire und freie Wettbewerb im Eisenbahnwesen eine Selbstverständlichkeit geworden ist.

An der hochkarätig besetzten Veranstaltung am Mittwoch hatten rund 230 "Eisenbahninteressierte" teilgenommen. (hp)

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