Europäischer Eisenbahnmarkt vor nachhaltiger Reform Utl: WKÖ-Vizepräsident Schenz eröffnet Tagung über "Die Zukunft der Eisenbahnen in Europa" im Haus der Wirtschaft - Minister Reichhold über "Schwerpunkte der österreichischen Eisenbahnpolitik"

Wien (PWK628) - Während Straßenverkehr und Luftfahrt als Folge einer aktiven europäischen Verkehrspolitik schon weitgehend liberalisiert sind, besteht auf dem Eisenbahnsektor nach wie vor Handlungsbedarf, um auch hier den fairen und freien Wettbewerb zu etablieren, erklärte der Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreich, Richard Schenz, am Mittwoch zur Eröffnung der Tagung "Die Zukunft der Eisenbahnen in Europa" im Haus der Wirtschaft. Bei dieser ganztägigen Veranstaltung diskutieren namhafte Experten aus Politik, Verwaltung, Verkehrswirtschaft und Industrie, allen voran Verkehrsminister Mathias Reichhold, über Mittel und Wege, die angestrebte Renaissance der Eisenbahnen herbeizuführen.

Gefordert sei eine "echte Revolution der Eisenbahnkultur". Nur so könne dieser Verkehrsträger seinen Beitrag zu Bewältigung des zukünftigen Verkehrsaufkommens leisten.

Tatsächlich ist der Anteil des Schienenverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen und hat im EU-weiten Schnitt die 10-Prozent-Marke sogar schon beträchtlich unterschritten, führte Schenz in seinem Eröffnungsstatement weiter aus. Auch wenn Österreich mit einem Schienengüteranteil von 19 Prozent vergleichsweise gut dastehe -, auch hat die ÖBB 2001 Aufkommenszuwächse verzeichnen können -, so sei das in Zeiten eines rasant steigenden Verkehrsaufkommens dennoch keine akzeptable Situation.

Das Weißbuch der EU prognostiziert bis 2010 einen Zuwachs beim Güterverkehr von 38 und beim Personenverkehr von 24 Prozent. Vor diesem Hintergrund können die Eisenbahnen nur über kundenorientierte und nachfragegerechte Angebote und einen entsprechenden Ausbau der Schieneninfrastruktur zu einer vollen Auslastung kommen.

In Österreich bringt der Generalverkehrswegeplan einen gewaltigen Investitionsschub, und auch in der EU steht der Ausbau der transeuropäischen Netze im Vordergrund. Um diesen Ausbau bewältigen zu können, sollen die Gemeinschaftsbeiträge für grenzüberschreitende Eisenbahnprojekte auf 20 Prozent der Investitionskosten angehoben werden. Das auf europäischer Ebene diskutierte "Infrastrukturpaket 2" soll eine weitere Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen bringen.

"Eine sehr wichtige und weitreichende Entscheidung, die wohl demnächst in Österreich getroffen werden muß, ist die Frage der Neuorganisation der ÖBB", schloss der WKÖ-Vizepräsident. Er hoffe, dass diese Entscheidung den Weg ebnen werde, um die Eisenbahnen zu einem "zukunftsträchtigen Wirtschaftsfaktor mit ständigem Wachstum" zu machen.

Verkehrsminister Reichhold, der anschließend über die "Schwerpunkte der österreichischen Eisenbahnpolitik" sprach, kritisierte ebenfalls die schweren Versäumnisse der letzten Jahrzehnte. Während der Anteil der Bahn am Güterverkehr drastisch zurückging, habe sich "die Straße einfach deutlich besser organisiert". Die von der EU im Weißbuch definierten Ziele, insbesondere die geforderte Liberalisierung, stellten die Bahnen jetzt vor große Herausforderungen. "Ich bin mir nicht sicher, ob die Bahnen das auch erkannt haben", führte der Minister aus. Für die Zukunft werde jedenfalls mehr Wettbewerb und Transparenz verlangt. Die Politik müsse die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und die Belegschaft aktiv mittun.

Doz. Stephan Schwarzer, Leiter der Abteilung für Umwelt-, Energie-und Infrastrukturpolitik in der WKÖ und Moderator der Gesprächsrunden am Vormittag, ortete einen echten Bedarf und ein echtes Interesse der Wirtschaft, die Kapazitäten im Schienenverkehr besser auszunützen:
"Die Wirtschaft ist bereit, möglichst viel Transport auf die Schiene zu verlagern". (hp)

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041205 Sep 02

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