Mortier kritisiert Salzburger Festspiele

Wien (OTS) - Gérard Mortier, dessen Festival "Ruhr-Triennale" soeben begonnen hat, übt in einem Gespräch für die morgen erscheinende NEWS-Ausgabe scharfe Kritik an den Salzburger Festspielen nach seiner Ära.

Mortier in NEWS über die Rückkehr des Nobelpublikums: "Bei mir waren auch feine Leute. Es kommt nur darauf an, ob man Feinheit des Kostüms oder Feinheit des Geistes bevorzugt. Wir hatten im Vorjahr übrigens 93 Prozent Auslastung. Ich frage mich nur, ob 97 %, die man mittels konzertanter Opern mit Alagna und Gheorghiou erreicht, nicht uninteressanter sind als 93 % mit modernen Stücken."

Über Peter Ruzicka: "Erstens finde ich, dass Ruzicka an sich ein intellektueller Mensch und ein loyaler Kollege ist, der sicher keinen Rückschritt beabsichtigte. Zweitens interessiert mich nur, dass die Institution Salzburg vorwärts und nicht rückwärts blickt. Und sollte jetzt die Schickimickigesellschaft Salzburg wieder einnehmen, wäre ich darüber sehr unglücklich. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass die Festspiele weiterhin Leuchtturmfunktion einnehmen."

Über den Landeshauptmann, der die Festspiele 2002 besonders lobte:
"Natürlich. Er ist ja die Schickimickigesellschaft."

Über das Carreras-Konzert: "Carreras war ein wunderbarer Sänger, aber wenn Leute Nostalgiegefühle verspüren, kann ich nur sagen: Das ist nicht Aufgabe der Salzburger Festspiele."

Über das musikalische Niveau der Festspiele: "Ich staune. Die Wiener Philharmoniker haben sich mit mir immer über Dirigenten gestritten - ob Dohnanyi wohl für die "Zauberflöte’ ausreicht, und ob Gielen denn Beehoven dirigieren könnte. Jetzt dirigiert ein wirklich schrecklicher Dirigent wie Bertrand de Billy die ,Zauberflöte’, und die Philharmoniker sagen nichts."

Ausführlich setzt sich Mortier in NEWS mit Nikolaus Harnoncourt und dessen Abgang in der Ära Mortier auseinander. "Er sagte, es gäbe bei mir keine musikalische Linie. Aber wenn er neben de Billy Mozart dirigiert, kann ich nur sagen: Da waren wir immer besser. Was er sagt, stimmt nicht, das muss ein für allemal festgestellt werden. Wir haben doch viel mitsammen gemacht. Das einzige, was ihm nicht gefallen hat, war ,Figaro’ unter Luc Bondy, da hat er seine Meinung über uns plötzlich geändert. Er hatte mit ,Figaro’ keinen Erfolg, deshalb war er beleidigt und ist gegangen. Es wird Sie interessieren, dass er hier im Ruhrgebiet bei mir das Oratorium ,Lazarus’ dirigieren wollte. Hier ist ihm meine musikalische Linie offenbar genug. Ich habe aber abgelehnt, weil das für mich uninteressant war. Er ist jetzt Alleinherrscher in Salzburg, und das ist das einzige, was ihn interessiert. Er wollte der neue Karajan sein. Das ist er jetzt."

Als gemeinsames Projekt der Pariser Oper, der er ab 2004 vorstehen wird, und der Salzburger Festspiele nennt Mortier in NEWS eine Oper von Olga Neuwirth im Jahr 2006. Elfriede Jelinek soll das Libretto schreiben.

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OTS0112 2002-09-04/11:57

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