Leitl bei Welser Messe: "Der Jugend eine Chance geben!"

Bildungs-Scheck als Ersatz für Kosten der Berufsschulzeit - Anreiz für Ausbildungsbetriebe wichtiger Bestandteil einer Lohnnebenkosten-Senkung

Wien (PWK627) "Gestern haben wir die beunruhigende Nachricht erhalten, dass Ende August in Österreich fast 200.000 - und insbesondere auch viele Jugendliche - ohne Job waren, auch wenn wir einen weiteren Rekord bei der Beschäftigung verzeichnen können. Wir müssen daher gemeinsam alle Kräfte mobilisieren, damit am Jahresende alle Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen und für die Lehrlingsausbildung geeignet sind, auch eine Lehrstelle oder einen anderen Ausbildungsplatz haben." Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, nutzte die Eröffnung der Welser Messe "Agraria" für einen Appell an die heimischen Betriebe, verstärkt Jugendliche trotz der Konjunkturschwäche auszubilden: "Ich bitte die Unternehmen: Bildet aus! Wir tun einerseits alles, um die gewaltigen materiellen Schäden der Hochwasserkatastrophe zu beseitigen. Wir müssen aber ebenso alles tun, um seelische Schäden und Zukunftsängste von unserer Jugend abzuwenden." In diesem Zusammenhang begrüßte er das von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel angekündigte Sofortprogramm für arbeitslose Jugendliche. So soll einerseits das Jugendbeschäftigungssicherungsgesetz im Herbst verlängert werden, andererseits soll 5000 Jugendlichen aus Rücklagen des Arbeitsmarktservice eine Zusatz- oder Zweitqualifikation angeboten werden. Leitl: "Ich teile uneingeschränkt das Ziel des Kanzlers, jedem Jugendlichen einen Lehrplatz, einen Schulplatz oder einen Lehrgang zuzusichern."

Leitl appellierte allerdings an die Politik, auch die Betriebe bei der Lehrlingsausbildung zu unterstützen: "Als positiven Impuls sollte es im Rahmen eines Standortsicherungs- und Konjunkturbelebungsprogramms rasch einen Bildungsscheck für die Ausbildungsbetriebe geben, wo ihnen ein Ersatz für die von ihnen bezahlte Berufsschulzeit als Anreiz gegeben wird. Die Wirtschaft ist bereit, sich die Kosten dieser Maßnahmen auf die Lohnnebenkosten-Senkung anrechnen zu lassen und somit letztlich selbst zu bezahlen. Österreich braucht dringend eine Investition in die Qualifikation und in die Zukunft unserer Kinder."

Der Wirtschaftskammer-Präsident erinnerte auch daran, dass die Wirtschaftskammer selbst einen Beitrag zur Behebung der Jugendarbeitslosigkeit leistet. Neben Aufrufen an die Unternehmen, genügend Lehrplätze zur Verfügung zu stellen, wurde im Frühjahr 2002 eine Lehrstellenbörse auf wko.at eingerichtet, wo Betriebe ihre freien Lehrplätze eintragen können. Leitl: "Die Lehrstellenbörse unterstützt somit die Betriebe bei der Suche nach geeigneten Bewerbern und natürlich auch die Jugendlichen bei der Suche nach Lehrstellen." Und nicht zuletzt gab es heuer auch einen Gratis-Berufsinfoscheck der Wirtschaftskammer für Schulklassen der 8. und 9. Schulstufe. Leitl: "Ein Teil der Probleme am Lehrstellenmarkt ist auch auf mangelnde Berufsinformation und Berufsorientierung zurückzuführen. Einerseits ist der Andrang auf einzelne "Modeberufe" zu groß, andererseits leiden Branchen - wie z. B. der Tourismus - an einem Bewerbermangel."

Auf die Ankündigung von Kanzler Schüssel, die Regierung werde mit den Sozialpartnern über ein Wirtschaftsförderungs- bzw. Konjunkturbelebungsprogramm Gespräche aufnehmen, reagierte Leitl positiv: "Hier gilt es, einen gemeinsamen Weg zu finden, denn wir wissen, dass die wirtschaftliche Gesamtentwicklung nicht sehr gut ist. Aber selbst etwas zu tun ist allemal besser, als eine eingetretene Situation zu bejammern."

Der Wirtschaftskammer-Präsident ging in seiner Eröffnungsansprache aber auch kurz auf die EU-Erweiterung ein: "Die aktuelle Diskussion zeigt ganz deutlich, dass Wirtschaft und Landwirtschaft bei der EU-Erweiterung in einem Boot sitzen. Beide wollen wir den Standort verbessern, beide wollen wir wettbewerbsfähige, zukunftsträchtige Betriebe, und beide wollen wir damit einen Erfolg für Österreich erzielen."(RH)

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