Die Ars Electronica auf Ö1 - "Lange Nacht der Radiokunst" live am 10.9.

Wien (OTS) - Die traditionsreiche "Lange Nacht der Radiokunst" auf Österreich 1 beim Ars Electronica Festival wird diesmal von einer kleinen Gruppe internationaler Radiokünstler gestaltet. Am Linzer Knoten des "Radiotopia"-on air-on line-Netzwerks wird ein ungewöhnlicher sechsstündiger Radioflow aus Live-Interventionen und on demand Beiträgen anderer Knoten und Teilnehmer orchestriert. Dabei werden vielsprachige Stimmen und Soundscapes u.a. aus Südostasien, Afrika, Lateinamerika oder dem Norden Kanadas einige jener realen und virtuellen Gegenden der Welt markieren, die im Infotainment-formatierten medialen und mediatisierten Alltag fast immer ausgespart bleiben. Ö1 überträgt am Dienstag, den 10. September live ab 23.05 Uhr. On line ist das Projekt unter
http://www.kunstradio.at/RADIOTOPIA/ oder www.aec.at/radiotopia zu
verfolgen.****

Wie "klingt" die Welt jenseits der Grenzen globaler (digitaler) Vernetzung und was passiert, wenn man diese "blinden Flecken" der Globalisierung zur Partizipation anhält - und zwar als gleichberechtigte Teilnehmer eines offenen Netzwerks? Welche Mittel der Kommunikation, des Austausches sind dazu notwendig? Das Ö1-"Kunstradio" und das Ars Electronica Festival, das heuer unter dem Motto "Unplugged" steht, versuchen mit dem Projekt "Radiotopia" nicht nur theoretische Szenarien als mögliche Lösung zu skizzieren. Vielmehr sind sie bestrebt, ein temporäres Netzwerk aufzubauen und Künstler aus allen Teilen der Welt daran teilhaben zu lassen und zu aktiven Partnern zu machen. Intendiert wird, die im Globalisierungsprozess "vergessenen" Regionen der Welt (größtenteils in der südlichen Hemisphäre) ins "Zentrum" zu rücken, unsere Aufmerksamkeit ganz auf sie zu konzentrieren. Wesentlich ist der Versuch, das eigene Unvermögen, eine Vernetzung mit "den Anderen" über die Ausübung und Wahrung unserer Einflusssphären hinaus einzugehen, zu überwinden. Angesichts der Tatsache, dass die -wirtschaftlich und in Folge dessen immer auch technisch - weniger "privilegierten" Regionen der Erde eben nicht selbstverständlich an der Steckdose hängen, gilt es, ein funktionierendes Netzwerk mit Mitteln zu schaffen, die für alle verfügbar und leicht zugänglich sind.

Wie schon bei früheren Telekommunikations- und Netzwerkprojekten, für dessen Entwicklung das "Kunstradio" oft eine richtungsweisende Rolle spielte ("Horizontal Radio", 1995, "Sound Drifting", 1999 -beides Projekte, die in Kooperation mit dem Ars Electronica Festival stattfanden - und schließlich "devolve into II", 2002), werden auch in diesem Projekt zeitgleich Radio, das "Netz" sowie der reale Raum genutzt und deren jeweils spezifische Qualitäten zueinander in Beziehung gesetzt. "Radiotopia" will buchstäblich ein Radio-Ort sein. Es will parallel auf Echtzeit- und virtuellen Ebenen die getrennten Teile unseres Planeten miteinander verbinden, beruhend auf dem Prinzip des Sendens und Empfangens wie des Verstärkens durch Multiplikatoren. Knoten im "Radiotopia"-Netzwerk können - neben Linz - in allen Teilen der Welt lokalisiert sein. Radio ist immer noch das Medium, das global gesehen am weitesten verbreitet ist und in vielen Teilen der Welt als primäre Quelle für Information und Kommunikation dient. Für die Übertragung von Radiowellen spielen weder geografische Grenzen noch Zeitzonen eine Rolle. Die Zugänglichkeit, die Verfügbarkeit dieses Mediums ist zugleich dessen Stärke und Grundlage für das oft zitierte politische Potenzial: Weder müssen Unsummen investiert werden noch verlangt die Technik ein hoch spezialisiertes Know-how. Man kann Radiosender mit Hilfe vorgefertigter Bausätze problemlos selber "basteln" und es kostet nicht viel. So tunen sich Millionen von Menschen weltweit täglich auf "ihre" Radiosender ein oder senden "ihr" spezielles Programm.

Die "Lange Nacht der Radiokunst" vom 10. auf den 11. September auf Ö1 - Beginn: 23.05 Uhr - steht ganz im Zeichen der on air-Echtzeitvernetzung. Künstler, Organisationen und Radiostationen aus aller Welt wurden im Vorfeld eingeladen, Teilnehmer bzw. Knoten im Netzwerk zu werden. Sie können mit jedem ihnen verfügbaren Medium partizipieren, Sounds, Scores, Sprachexperimente (eingefärbt durch die Muttersprache) in aufgezeichneter Form per Post schicken, im Internet zur Verfügung stellen und streamen oder per Telefon live ins "Radiotopia"-Geschehen einsteigen. In einer on line-Datenbank werden alle Beiträge gesammelt. Im Linzer Brucknerhaus werden Künstler mit Material aus dem "Radiotopia"-Sound-Pool arbeiten: Sie werden Beiträge und Live-Streams spielen und "sanft" arrangieren, sodass die Kanten und Eigenwilligkeiten der einzelnen Stücke ineinander übergreifen und sich wechselseitig beeinflussen können, zugleich aber deutlich spür- und hörbar bleiben.

Das Ö1-"Kunstradio", Radio Österreich International (auf Kurzwelle) und Radio 1476 (Mittelwelle) wie auch Radiostationen aus allen Kontinenten, die sich live dazuschalten, werden aktiv Teil des Netzwerks, indem sie "Radiotopia" auch zu den Hörern in den abgelegensten Winkeln bringen. On site schließlich ist "Radiotopia" als Soundinstallation im Klangpark 2002 in Linz zu erleben. Über eine open air Lautsprecher-Installation wird der Donaupark beim Brucknerhaus aus dem "Radiotopia"-Netzwerk live beschallt. Am 10. September wird für die Festivalbesucher eine Soirée veranstaltet, in der sich das Netzwerk in Form von Konzerten, Performances oder Conference Calls "materialisiert". Ziel von "Radiotopia" ist es, die Vielfalt der Stimmen der Welt hörbar und deren geografisch, kulturell oder gesellschaftlich bedingte Unterschiede akustisch spür- und erlebbar werden zu lassen.

Die Ars Electronica auf Österreich 1 im Überblick

Zusätzlich zur aktuellen Berichterstattung steht die Ars Electronia in folgenden Ö1-Sendungen im Mittelpunkt:

8. September 2002, 23.05 Uhr
"Kunstradio - Radiokunst"
Radiotopia live im Rahmen des Ars Electronica Festivals 2002

10. September 2002, 23.05 Uhr
"Lange Kunstradionacht"
Live von der Ars Elctronica Linz

11. September 2002, 23.05 Uhr
"Zeit-Ton"
Ars Electronica 2002 - die Preisträger des Prix Ars Electronica. Yasunao Tone, Curtis Roads und andere (Teil 1)

12. September 2002, 23.05 Uhr
"Zeit-Ton"
Ars Electronica 2002 - die Preisträger des Prix Ars Electronica. Yasunao Tone, Curtis Roads und andere (Teil 2)

12. September 2002, 19.05 Uhr
"Dimensionen - die Welt der Wissenschaft"
Unplugged - Kunst als Schauplatz globaler Konflikte. Eine Zusammenfassung der Ars Electronica 2002(ih)

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OTS0034 2002-09-04/10:00

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