DER STANDARD-Kommentar: "Feinde der USA" (von Gudrun Harrer) - Erscheinungstag 30.8.2002

Die amerikanisch-arabischen Beziehungen könnten schlechter nicht sein

Wien (OTS) - Das ganze Lobbying, die sündteuren Werbekampagnen
nach dem 11. September haben Saudi-Arabien nichts genützt. Da kann der komisch- pathetische amerikanische Präsident noch so lange die "ewige" Freundschaft mit dem Königreich beschwören, aus dem 15 der 19 Attentäter des 11. September kamen - die Amerikaner sehen das offensichtlich anders: 63 Prozent der Befragten haben laut NewYork Times eine schlechte Meinung von Saudi-Arabien, das sind um 13 Prozent mehr als im Mai.

Die jüngst an die Öffentlichkeit gelangte - oder, um Reaktionen abzutesten, absichtlich ausgestreute - Studie der das US-Verteidigungsministerium beratenden Rand Corporation, die Saudi-Arabien als "Feind der USA" bezeichnete, ist nur ein Symptom einer länger währenden Krise in den Beziehungen. Sie gipfelt in vereinzelten inneramerikanischen Forderungen an die US-Politik, doch zuerst mit - und in - der Heimat Osama Bin Ladens aufzuräumen, bevor man sich dann militärisch dem Irak zuwendet. Diese Forderungen sind geradezu abseitig naiv, ein solches Vorgehen würde - abseits des völkerrechtlichen, des militärischen und des politischen Irrsinns -nichts anderes bedeuten, als den im Irak-Kriegsfall immerhin neutralen und weiter Öl liefernden wichtigsten Verbündeten in der Region anzugreifen, ohne Ersatz für ihn zu haben.

Dass aber nicht nur die Anhänger eines Armageddon - in Form eines Showdown der westlichen (inklusive Israel) mit der islamischen Welt -solche Szenarien ausmalen, zeigt gerade die Rand-Studie: In ihr war davon die Rede, dass sich die USA den Zugriff auf die saudischen Ölfelder sichern sollten - und den auf saudisches Vermögen in den USA. Was zur die für Washington in konjunkturell schwachen Zeiten blöde und die für Riad peinliche (und deshalb dementierte) Folge hat, dass saudische Geschäftsleute damit begonnen haben, ihre Gelder aus den USA abzuziehen, man spricht von mindestens 200 Milliarden Dollar.

Wenn man auf eine Art Gottesurteil wartet wie obige amerikanische Politikfundamentalisten, muss man sich um Taktik und/oder Strategie wenig scheren und kann mangelnde Begeisterung für einen Irak-Krieg abstrafen wollen. George Bush und seine Regierung, auch wenn sie dieser Ideologie zuneigen mögen, können die raren Freunde der USA in der islamischen Welt natürlich nicht so unbekümmert vor den Kopf stoßen. Auch Ägypten bekam jüngst erst nach einem Kommentar von Thomas Friedman in der New York Times sein Fett ab, in der dieser unter dem Titel "Bush’s Shame" die Menschenrechtssituation in Ägypten - konkret die Verurteilung des ägyptischen Menschenrechtlers und US-Pass-Besitzers Saad Eddin Ibrahim - den massiven US-Finanzhilfen für Ägypten gegenüber stellte. Washington drohte daraufhin mit der Nichtgewährung einer zusätzlichen Finanzspritze von 130 Millionen US-Dollar, Ausgang noch ungewiss.

"Wir sind mit Amerika - aber...", so hatte nach dem 11. September eine ägyptische Tageszeitung getitelt: Das "aber" versuchten die USA den Regierungen der arabischen Länder durch ihr "Mit uns oder gegen uns"-Angebot auszutreiben, und das ist weitgehend gelungen. Für das terrorismusgeplagte Ägypten und das schwer verunsicherte Saudi-Arabien mit seinen großen inneren Probleme war das sowieso keine Frage, aber sogar Ländern wie Syrien, Libyen, Sudan wird in "intelligence sharing" - geheimdienstlicher Zusammenarbeit - zum Zwecke der Auffindung von al-Qa’ida-Mitgliedern ein gutes Zeugnis ausgestellt, wobei Angst vor US-Rache und innenpolitische Interessen zusammen spielen.

Und trotzdem ist es nicht geglückt, das Verhältnis zwischen USA und der arabischen Welt auch nur ansatzweise zu reparieren. Auf der einen Seite dominiert das tiefe Misstrauen nach 9/11, auf der anderen steht alles im Schatten der amerikanischen Palästina-Politik. Ein Irak-Krieg würde die Gräben in einen Abgrund verwandeln.

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