Wirtschaft ist kein Showgeschäft

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Verena Kainrath

Wien (OTS) - Jetzt ist es fix: Mirko Kovats kauft, nach anfänglichem Zieren, den insolventen Anlagenbauer Austrian Energy nun doch. Die Grazer Babcock-Tochter wird also nicht liquidiert, denn der Industrielle hat zugesichert, den Grossteil der Mitarbeiter zu übernehmen. Kovats zählt jetzt endgültig zur Spezies der nicht unumstrittenen Sanierer à la Erhard Grossnigg oder Hannes Androsch.

Ihr gemeinsames Markenzeichen: Sie treten immer dann in Aktion, wenn’s irgendwo brennt. Als aktive Troubleshooter müssen sie mit dem gern geäusserten Vorwurf leben, Wichtigmacher, Abstauber oder Schnäppchenjäger zu sein. Denn ihre heiklen Übernahmen werden meist unter grossem Trommelwirbel angekündigt. Bisweilen scheitern die Verhandlungen indes im letzten Moment.

Und bisweilen ist nicht klar, ob ernsthaftes Interesse vorhanden oder ob’s nur Show war. Fest steht: Es ist das gute Recht eines Kovats, eines Grossnigg und eines Androsch, geplante Transaktionen präzise zu prüfen. Und ihr gutes Recht, auch wieder abzuspringen, wenn irgendetwas nicht so läuft, wie sie es sich wünschen. Die drei prominentesten Firmenaufkäufer des Landes haben allerdings längst bewiesen, dass sie einiges zu Wege bringen: Kovats sanierte etwa den maroden Maschinenbauer Emco und den Drehmaschinenhersteller Magdeburger. Seit kurzem versucht er als neuer Hauptaktionär der ATB, diese in Fahrt zu bringen. Dass Continental ihm beim Werben um Semperit die kalte Schulter gezeigt hat, ist ebenso zu akzeptieren wie der Kovats-Rückzieher bei der defizitären Vogel & Noot Landmaschinen.

Grossnigg wiederum wurde zwar beim Rennen um die Austrian Energy haarscharf ausgebootet, an der Erfolgsbilanz des Wiener Finanzberaters ändert das jedoch nichts: Immerhin hat er bislang bei Problemfällen wie Funder, Kneissl-Dachstein, Raichle und Economos aufgeräumt und bringt derzeit Stiefelkönig wieder auf Tritt.

Über Hannes Androsch, der u.a. bei den Salinen, AT&S oder HTP engagiert ist, braucht man schliesslich keine langen Lobeshymnen zu singen: Er hat längst bewiesen, dass er mehr kann, als ein passabler Finanzminister zu sein.

Fazit: Das Argument, dass sich Kovats & Co. am liebsten nur raffiniert in Szene setzen wollen, ist fehl am Platz. Um heikle Deals abzuwickeln, braucht man primär nicht Geltungsdrang, sondern Know-how, Mut, Risikobereitschaft – und das nötige Kapital. Gerade in einer Zeit, in der bloss die Pessimisten Hochkonjunktur haben, braucht Österreich Unternehmer, die sich etwas zutrauen und zupacken. Aus der zweiten Reihe zuschauen und dabei in Jammergeheul auszubrechen, das kann ohnedies jeder…

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