F&E-QUOTE WIRD SICH HEUER AUF 1,95 % ERHÖHEN Niedriger Unternehmensanteil bleibt aber struktureller Schwachpunkt

Wien (PK) - Mit einer F&E-Quote von 1,91 % im Jahr 2001 liegt Österreich bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung im EU-Durchschnitt, wobei ein relativ niedriger Finanzierungsanteil des Unternehmenssektors nach wie vor charakteristisch für das
heimische Innovationssystem ist. Diese Kernaussagen trifft der
von Bundesministerin Elisabeth Gehrer präsentierte Forschungs-
und Technologiebericht 2002 (III-157 d.B.) der nun dem Parlament
zur Beratung vorliegt.

ÖSTERREICHS FORSCHUNG WEITER IM AUFHOLPROZESS

Die gesamtwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden im Jahr 2002 nach neuesten Schätzungen 4.217,27 Mill. € erreichen. Wie während der gesamten 90er Jahre wachsen die F&E-Ausgaben damit auch heuer wieder schneller als das Bruttoinlandsprodukt. Für 2002 rechnet der Bericht mit einer weiteren Erhöhung der Forschungsquote auf 1,95 %.

Österreich befindet sich mit seiner F&E-Quote zwar im Mittelfeld der europäischen Staaten, schneidet aber im Vergleich mit Ländern wie Belgien, den Niederlanden oder Irland, die ein ähnliches Einkommensniveau aufweisen, unterdurchschnittlich ab. Aufgrund
der Wirtschaftskraft könnte für Österreich eine Forschungsquote von etwa 2,1 % erwartet werden, gibt der Bericht zu bedenken.
Doch auch wenn dieser Wert erreicht wird, läge Österreich noch nicht im Spitzenfeld. Staaten wie Finnland, Schweden, Deutschland oder Frankreich geben im Verhältnis zu ihrem Einkommensniveau wesentlich mehr für Forschung und Entwicklung aus als Österreich. Der Bericht warnt allerdings davor, aus diesem Umstand auf eine allgemein niedrigere technologische Leistungsfähigkeit der österreichischen Industrie zu schließen. Ein wichtiger Grund für dieses Ergebnis sei auch die Struktur der heimischen Wirtschaft, heißt es.

NACH WIE VOR NIEDRIGER FINANZIERUNGSANTEIL DES
UNTERNHEMENSSEKTORS

Positiv beurteilt der Bericht die Tendenz der österreichischen Forschungsaktivitäten. Trotz des bestehenden Rückstandes habe Österreich seinen Abstand in den 90er Jahren merklich verringern können. So haben sich Österreichs F&E-Ausgaben seit 1990 mit
einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 4,7 % wesentlich dynamischer entwickelt als der OECD-Schnitt (2,7 %), gegenüber dem EU-Durchschnitt von 1,6 % sind sie sogar mehr als doppelt so schnell gewachsen. Dies führte dazu, dass Länder wie Italien, Kanada oder Australien, die 1990 noch höhere F&E-Quoten aufwiesen, inzwischen überholt werden konnten.
Treibende Kraft dieser Entwicklung ist der öffentliche Sektor, während die Forschungsaufwendungen der Unternehmen im Vergleich dazu deutlich langsamer steigen. So werden die Ausgaben des
Bundes für in Österreich durchgeführte Forschung und Entwicklung 2002 rund 1.457 Mill. € betragen und damit um 7,3 % über dem Vorjahresniveau liegen. Dagegen wachsen die F&E-Aufwendungen des Unternehmenssektors bereits seit 1997 wesentlich langsamer. Ein Hebeleffekt der gestiegenen öffentlichen Ausgaben in Form einer Stimulierung der F&E-Ausgaben der Privatwirtschaft sei somit noch nicht zu erkennen, merkt der Bericht in diesem Zusammenhang an.

Ein internationaler Vergleich zeigt, dass der österreichische Unternehmensanteil an der gesamten F&E-Finanzierung in Österreich etwa 10 Prozentpunkte hinter dem von Ländern wie Dänemark oder
den Niederlanden liegt. Demgegenüber weist Österreich aber einen hohen Finanzierungsbeitrag aus ausländischen Quellen auf und erreicht in diesem Bereich mit rund 20 % einen Spitzenwert unter
den OECD-Ländern. Die vom Ausland finanzierten F&E-Aktivitäten fließen zu 95 % in den heimischen Unternehmenssektor. Der Bericht schließt daraus, dass sich Österreich als attraktiver Forschungsstandort insbesondere für Forschung in Betrieben etablieren konnte.

Ein weiteres Charakteristikum der österreichischen Innovationslandschaft stellt der relativ hohe Anteil an Hochschulforschung dar, der mit beinahe 30 % um 10 Prozentpunkte über dem EU-Durchschnitt liegt und nahezu ausschließlich durch
den öffentlichen Sektor finanziert wird. Der Finanzierungsanteil des Unternehmenssektors - ein wichtiger Indikator der
Verflechtung zwischen Universität und Wirtschaft - betrug dagegen lediglich rund 1,7 % und war damit gleich hoch wie die
Finanzierung durch die Europäische Union.

Der relativ geringe Anteil der Unternehmen bei Finanzierung und Durchführung von Forschung in Österreich ist, wie der Bericht kritisch vermerkt, die zentrale Strukturschwäche des österreichischen Innovationssystems. Die Bemühungen der Bundesregierung, die Forschungsquote auf 2,5 % des BIP anzuheben, müssen deshalb auch bei der Finanzierungsstruktur ansetzen und diese vor allem durch die Stimulierung der Unternehmensforschung verändern, rät der Bericht. (Schluss)

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