- 29.08.2002, 13:21:09
- /
- OTS0146 OTW0146
F&E-QUOTE WIRD SICH HEUER AUF 1,95 % ERHÖHEN Niedriger Unternehmensanteil bleibt aber struktureller Schwachpunkt
Wien (PK) - Mit einer F&E-Quote von 1,91 % im Jahr 2001 liegt
Österreich bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung im EU-
Durchschnitt, wobei ein relativ niedriger Finanzierungsanteil des
Unternehmenssektors nach wie vor charakteristisch für das
heimische Innovationssystem ist. Diese Kernaussagen trifft der
von Bundesministerin Elisabeth Gehrer präsentierte Forschungs-
und Technologiebericht 2002 (III-157 d.B.) der nun dem Parlament
zur Beratung vorliegt.
ÖSTERREICHS FORSCHUNG WEITER IM AUFHOLPROZESS
Die gesamtwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung
werden im Jahr 2002 nach neuesten Schätzungen 4.217,27 Mill. €
erreichen. Wie während der gesamten 90er Jahre wachsen die F&E-
Ausgaben damit auch heuer wieder schneller als das
Bruttoinlandsprodukt. Für 2002 rechnet der Bericht mit einer
weiteren Erhöhung der Forschungsquote auf 1,95 %.
Österreich befindet sich mit seiner F&E-Quote zwar im Mittelfeld
der europäischen Staaten, schneidet aber im Vergleich mit Ländern
wie Belgien, den Niederlanden oder Irland, die ein ähnliches
Einkommensniveau aufweisen, unterdurchschnittlich ab. Aufgrund
der Wirtschaftskraft könnte für Österreich eine Forschungsquote
von etwa 2,1 % erwartet werden, gibt der Bericht zu bedenken.
Doch auch wenn dieser Wert erreicht wird, läge Österreich noch
nicht im Spitzenfeld. Staaten wie Finnland, Schweden, Deutschland
oder Frankreich geben im Verhältnis zu ihrem Einkommensniveau
wesentlich mehr für Forschung und Entwicklung aus als Österreich.
Der Bericht warnt allerdings davor, aus diesem Umstand auf eine
allgemein niedrigere technologische Leistungsfähigkeit der
österreichischen Industrie zu schließen. Ein wichtiger Grund für
dieses Ergebnis sei auch die Struktur der heimischen Wirtschaft,
heißt es.
NACH WIE VOR NIEDRIGER FINANZIERUNGSANTEIL DES
UNTERNHEMENSSEKTORS
Positiv beurteilt der Bericht die Tendenz der österreichischen
Forschungsaktivitäten. Trotz des bestehenden Rückstandes habe
Österreich seinen Abstand in den 90er Jahren merklich verringern
können. So haben sich Österreichs F&E-Ausgaben seit 1990 mit
einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 4,7 %
wesentlich dynamischer entwickelt als der OECD-Schnitt (2,7 %),
gegenüber dem EU-Durchschnitt von 1,6 % sind sie sogar mehr als
doppelt so schnell gewachsen. Dies führte dazu, dass Länder wie
Italien, Kanada oder Australien, die 1990 noch höhere F&E-Quoten
aufwiesen, inzwischen überholt werden konnten.
Treibende Kraft dieser Entwicklung ist der öffentliche Sektor,
während die Forschungsaufwendungen der Unternehmen im Vergleich
dazu deutlich langsamer steigen. So werden die Ausgaben des
Bundes für in Österreich durchgeführte Forschung und Entwicklung
2002 rund 1.457 Mill. € betragen und damit um 7,3 % über dem
Vorjahresniveau liegen. Dagegen wachsen die F&E-Aufwendungen des
Unternehmenssektors bereits seit 1997 wesentlich langsamer. Ein
Hebeleffekt der gestiegenen öffentlichen Ausgaben in Form einer
Stimulierung der F&E-Ausgaben der Privatwirtschaft sei somit noch
nicht zu erkennen, merkt der Bericht in diesem Zusammenhang an.
Ein internationaler Vergleich zeigt, dass der österreichische
Unternehmensanteil an der gesamten F&E-Finanzierung in Österreich
etwa 10 Prozentpunkte hinter dem von Ländern wie Dänemark oder
den Niederlanden liegt. Demgegenüber weist Österreich aber einen
hohen Finanzierungsbeitrag aus ausländischen Quellen auf und
erreicht in diesem Bereich mit rund 20 % einen Spitzenwert unter
den OECD-Ländern. Die vom Ausland finanzierten F&E-Aktivitäten
fließen zu 95 % in den heimischen Unternehmenssektor. Der Bericht
schließt daraus, dass sich Österreich als attraktiver
Forschungsstandort insbesondere für Forschung in Betrieben
etablieren konnte.
Ein weiteres Charakteristikum der österreichischen
Innovationslandschaft stellt der relativ hohe Anteil an
Hochschulforschung dar, der mit beinahe 30 % um 10 Prozentpunkte
über dem EU-Durchschnitt liegt und nahezu ausschließlich durch
den öffentlichen Sektor finanziert wird. Der Finanzierungsanteil
des Unternehmenssektors - ein wichtiger Indikator der
Verflechtung zwischen Universität und Wirtschaft - betrug dagegen
lediglich rund 1,7 % und war damit gleich hoch wie die
Finanzierung durch die Europäische Union.
Der relativ geringe Anteil der Unternehmen bei Finanzierung und
Durchführung von Forschung in Österreich ist, wie der Bericht
kritisch vermerkt, die zentrale Strukturschwäche des
österreichischen Innovationssystems. Die Bemühungen der
Bundesregierung, die Forschungsquote auf 2,5 % des BIP anzuheben,
müssen deshalb auch bei der Finanzierungsstruktur ansetzen und
diese vor allem durch die Stimulierung der Unternehmensforschung
verändern, rät der Bericht. (Schluss)
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
mailto:pk@parlament.gv.at, http://www.parlament.gv.at
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA






