Palliativmedizin 2: Einheitliche Standards gefordert (2. Teil)

Sonst Defizite in der Betreuung Schwerstkranker und Sterbender in Österreich - Supervision gegen das Burn-out-Syndrom

Wien (OTS) - Um einen gleichwertigen Zugang zu palliativmedizinischen Leistungen in ganz Österreich zu gewährleisten, fordern die Vertreter von Ärztekammer und Caritas unter anderem die Einführung österreichweiter Standards in der Pflege und Betreuung alter Menschen, aber auch in der Aus- und Weiterbildung. Für Dr. Bernhard Breindl, dem Ethikreferenten der Ärztekammer für Wien, sind dabei "Bett, Nachtkästchen und Spind nicht jener Standard, den wir uns für Heime wünschen würden".****

Kritik äußern Ärztekammer und Caritas auch an der Chefarztpflicht bei vielen Maßnahmen und Therapeutika speziell zur Betreuung von Schwerkranken und Sterbenden, so zum Beispiel Heimbeatmungsgeräte, Krankenbetten und Hauskrankenpflege ab der 5. Woche. "Hier wird künstlich eine Hürde eingebaut, die durch nichts, auch durch keine ökonomischen Aspekte, zu rechtfertigen ist und die die ohnedies sehr schwierige Arbeit aller Betreuenden noch komplizierter macht", betonte Breindl.

Zudem gebe es derzeit noch immer keine verpflichtende Hausarztbetreuung für Pflegeeinrichtungen. Breindl.: "Hier besteht die Gefahr, daß unabhängig vom teils großen Engagement des Betreuungspersonal die Palliativmedizin zu kurz kommt und vor allem im Bereich einer effizienten Schmerzbehandlung Defizite entstehen."

Ärztekammer verleiht Zertifikat

Alle Personen, die Sterbende begleiten, vor allem natürlich Ärzte und Pflegende, sind auf qualifizierte medizinische Aus- und Fortbildung angewiesen. Die Wiener Ärztekammer hat daher Schritte zur Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten im Palliativbereich gesetzt: Seit vier Jahren wird ein Zertifikat an jene Personen verliehen, die den Ärztelehrgang der Österreichischen Palliativgesellschaft absolviert haben. Insgesamt 130 Ärztinnen und Ärzte in Österreich sind bereits im Besitz eines solchen Zertifikats

Dr. Franz Zdrahal, Leiter des Mobilen Caritas Hospiz und Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft, fordert nun, das dieses Modell auf Bundesebene umgesetzt werden soll. "Wir brauchen den Arzt für Palliativmedizin als eine erste Stufe von vielen weiteren Forderungen." Seit eineinhalb Jahren laufen Gespräche mit der Österreichischen Ärztekammer über die Einführung eines Diplomlehrgangs für Palliativmedizin. Laut Zdrahal sind die Verhandlungen bereits "sehr weit fortgeschritten".

Zdrahal hält den "Arzt für Palliativmedizin" und das Diplom für besonders wichtig, "nicht, um es sich an die Wand der Ordination zu hängen, sondern weil nur durch die Institutionalisierung Standards eingefordert und kontrolliert werden können". Gerade im Bereich der Palliativmedizin gebe es noch zu wenig standardisierte Qualitätssicherung und damit auch einen Graubereich bei den einzelnen fachlichen Anforderungsprofilen.

Die Ärztekammer fordert zudem eine verpflichtende Supervision für die Helfenden. Laut Ärztekammer-Ethikreferent Breindl dürfen in diese Supervision aber nicht nur Ärztinnen und Ärzte und das nichtmedizinische Pflegepersonal einbezogen werden, sondern auch die Helfer aus dem teilprofessionellen Bereich wie Nachbarschaftshilfe und Zivildiener sowie die pflegenden Angehörigen und freiwilligen Helfer. Breindl.: "Wenn es keine psychologische Unterstützung für die Helfer gibt, dann kommt es unweigerlich zu einem Burn-out-Syndrom -bei einem früher, beim anderen später." (hpp)

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