ÖAMTC: Im Tunnel kann falsche Bedienung der Fahrzeuglüftung tödlich sein

Plötzlich beschlagene Scheiben sind ein erhebliches Sicherheitsrisiko

Wien (ÖAMTC-Presse) - Plötzlich auftretende Regengüsse und Gewitter können in Tunnel-Einfahrten zu beschlagenen Scheiben führen, die ein erhebliches Sicherheitsrisiko bedeuten, warnt der ÖAMTC. Besonders tragisch war diese Woche ein Frontalzusammenstoß im einröhrigen Herzogbergtunnel der Südautobahn (A2) im Packabschnitt. Im dichten Regen waren dem Lenker bei der Einfahrt in den Tunnel die Scheiben angelaufen. Ohne Sicht prallte er mit seinem Fahrzeug in den Gegenverkehr.

"Nach insgesamt drei schweren Verkehrsunfällen mit teilweise tödlichem Ausgang in drei verschiedenen Straßentunnels in den vergangenen Tagen, sollte gerade im Rückreiseverkehr am kommenden Wochenende den Tunnelfahrten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden", so ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke.

Das Phänomen der plötzlich beschlagenen Scheiben tritt beim Aufeinandertreffen verschiedener Luftmassen auf, in Tunnels ebenso wie beispielsweise bei der Einfahrt in eine Tiefgarage. "Die Lösung ist einfach und topsicher", erläutert ÖAMTC-Experte Matzke. "Ein Anlaufen der Windschutzscheibe verhindert man, indem man die Klimaanlage oder Fahrzeuglüftung vor der Einfahrt in Tunnels oder Tiefgaragen zur Sicherheit auf Defrostung stellt und den maximalen Luftstrom auf die Scheibe leitet. Ein Beschlagen auf der Scheiben-Außenseite lässt sich durch die Betätigung des Wischers sofort beheben."

Die meisten Tunnel-Lüftungssysteme in Österreich, wie etwa in den Scheiteltunnels der Tauern Autobahn (A 10) oder im Pfändertunnel, sind inzwischen auf Betreiben des ÖAMTC auf einen höheren Sicherheitsstandard gebracht worden, durch den das Phänomen der beschlagenen Scheiben ausgeschlossen werden kann. Zur besonderen Vorsicht mahnt der Club aber bei Benutzung des jeweils einröhrigen Herzogbergtunnels und Gräberntunnels der Süd Autobahn (A 2), vor denen auch Staus zu erwarten sind. Bei beiden Tunnels wird eine Besserung durch die Fertigstellung der zweiten Tunnelröhre schon nächstes Jahr erfolgen.

Als extrem gefährlich hat der ÖAMTC in seinen Tunneltests den 5,1 km langen Roppener Tunnel der Inntal Autobahn (A 12) und den 2,9 km langen Perjentunnel der Umfahrung von Landeck eingestuft. "Beide Tunnels sind einröhrig und finster. Sie werden erst nach dem Rückreiseverkehr aus den Ferien ab September restauriert, die notwendigen zweiten Röhren sind dort noch nicht vorgesehen", betont Matzke.

ÖAMTC-Tipps für die sichere Fahrt durch den Tunnel

ÖAMTC-Experte Willy Matzke gibt Tipps, die man für eine sichere Fahrt durch den Tunnel beherzigen sollte:

Damit nichts passiert:
· Achten Sie schon bei der Routenplanung auf Tunnels.
· Stellen Sie Ihr Autoradio auf Verkehrsfunk-Empfang.
· Tanken Sie rechtzeitig! Bei jedem zweiten Notfall sind wegen Spritmangels liegengebliebene Fahrzeuge im Spiel. Außerdem: "Aufs Tanken vergessen" kann vor Gericht als Fahrlässigkeit ausgelegt werden.
· Beachten Sie vor Tunnel-Einfahrt das Ampelsignal, schalten Sie das Licht ein und nehmen Sie die Sonnenbrille ab.
· Schließen Sie alle Fenster und stellen Sie die Lüftung auf Umluft. · Halten Sie Tempolimit und Abstand - mindestens 50 m - ein, fahren Sie aber auch nicht zu langsam.
· Halten Sie für alle Notfälle Ihre Wertsachen in einem Rucksack bereit.

Bei plötzlichem Stau:
· Schalten Sie die Warnblinkanlage ein und bleiben Sie mit Abstand stehen.
· Überfahren Sie in einröhrigen Tunnels nie die doppelte Sperrlinie! · In zweiröhrigen Tunnels (zwei Fahrbahnen pro Richtung) niemals gegen die Fahrtrichtung fahren, außer wenn Sicherheitskräfte das anordnen.

Wenn doch etwas passiert ist:
· Nur ja keine Panik, denn wer richtig reagiert, kommt meist heil davon!
· Selbst wenn der Sprit ausgeht oder man einen Auffahrunfall hatte, niemals auf der Fahrbahn anhalten. Nötigenfalls im 2. Gang solange den Starter betätigen, bis die nächste Pannenbucht erreicht ist. Dort sofort Motorhaube öffnen, denn oft treten Brände erst später auf. Bei geschlossenem Motorraum ist die Brandbekämpfung mit dem Pulverlöscher fast unmöglich.
· Immer sofort über Nottelefon (alle 200 m in Nischen) Hilfe holen! · Beachten Sie die Anweisungen der Tunnelwarte über Lautsprecher oder Radio.
· Übrigens, wenn man einen Löschversuch mit Feuerlöschern aus den Notrufnischen startet oder einen der roten Brandmelde-Knöpfe drückt, wird automatisch Brandalarm ausgelöst, der Tunnel gesperrt, die Feuerwehr alarmiert und die Lüftung konzentriert eingesetzt. Bei extremer Rauchentwicklung sollte man aber auf dem schnellsten Weg flüchten. Das heißt normalerweise bei Tunnels ohne Gegenverkehr zu Fuß gegen die Fahrtrichtung und sofort bei der nächsten Fluchttür raus aus der Röhre, weil man sonst vom Rauch eingeholt werden kann.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Hannes Kerschl

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