DER STANDARD-Bericht: "Für eine EU-weite Ernteversicherung" - Erscheinungstag 28.8.2002

Schwarzböck: 20.000 Hektar landwirtschaftliche Fläche durch Hochwasser zerstört

Wien (OTS) - Eine EU-weite Ernteversicherung nach US-Vorbild
fordert Landwirtschaftskammerpräsident Rudolf Schwarzböck im Zusammenhang mit den jüngsten Unwetterkatastrophen. Gerade die Hagelunwetter und Überschwemmungen hätten gezeigt, "dass das Risikomanagement in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt". Österreich sei in diesem Bereich mit der Hagelversicherung Vorreiter in der Union, sagte Schwarzböck im Standard-Gespräch.

Im österreichischen System zahlt die öffentliche Hand 50 Prozent der Prämien, mit denen sich Landwirte nicht nur gegen Hagel, sondern auch gegen Dürre, Frost oder eben Überschwemmungen schützen können. "Die EU muss angesichts der Überschwemmungen Solidarität mit den betroffenen Mitgliedsstaaten zeigen", so Schwarzböck. Ein erster Schritt in diese Richtung seien die von EU-Agrarkommissar Franz Fischler in Aussicht gestellten 40 Mio. €. Aber auch der geplante Katastrophenfonds sei prinzipiell zu begrüßen. Allerdings sei "nicht jedes Risiko solidarisierbar", der Fonds müsse für "nicht beeinflussbare Katastrophen" reserviert bleiben.

In Österreich seien insgesamt rund 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche vom Hochwasser vernichtet worden. Der Schaden an den landwirtschaftlichen Kulturen betrage nach jüngsten Erhebungen allein in Niederösterreich rund 15 Mio. Euro, so Schwarzböck. In Oberösterreich seien die Schadenskommissionen noch unterwegs, sodass noch keine endgültigen Zahlen vorliegen.

Erneut scharfe Kritik übte der oberste Bauernvertreter an den Fischler-Plänen für eine Agrarreform: "Diese Totalreform der gemeinsamen Agrarpolitik wurde konzipiert, um davon abzulenken, dass in anderen Bereichen bei Reformen nichts weitergeht." Dazu zählten die Bereiche Soziales und Zuwanderung, aber auch die Harmonisierung des Steuerrechts oder eine gemeinsame europäische Verkehrspolitik. In diesen sensiblen Bereichen seien vor der Wahl in Deutschland keine Entscheidungen zu erwarten.

Die Agenda 2000 sei bis zum Jahr 2006 ausgerichtet gewesen, Teile von Fischlers Plänen im Zusammenhang mit dem so genannten "Mid-Term-Review" gingen weit über diesen Zeithorizont hinaus. Den Bauern fehle dadurch die Berechenbarkeit und Planbarkeit.

Man dürfe nicht vor der Erweiterung noch schnell alles für die Zeit nach der Erweiterung präjudizieren, sodass die neuen Mitglieder nichts mitzureden hätten.

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