Gesundheitliche Gefahren nach Hochwasser

Ärzte informieren über Gesundheitsrisiko

Wien (OTS) - Nach den schrecklichen Hochwasserkatastrophen in NÖ sind nun die Aufräumungsarbeiten in vollem Gange. Die Ärztekammer für NÖ weist in diesem Zusammenhang jedoch darauf hin, dass durch körperliche Erschöpfung, durch Verletzungen oder durch Verunreinigungen, hervorgerufen durch die Hochwasserkatastrophe, es auch zu gesundheitlichen Problemen kommen kann.

"Wir Ärzte appellieren an alle Menschen in den betroffenen Gebieten, mögliche Symptome einer gesundheitlichen Beeinträchtigung nicht auf die leichte Schulter zu nehmen." so heute Dr. Lothar Fiedler, der Präsident der Ärztekammer für NÖ. "Gerade in bzw. nach Extrem- und Ausnahmesituationen, in denen sich ja die Menschen im Hochwasser schließlich befunden haben oder noch immer befinden, ist man anfällig für Infektionen, die einem im "normalen Alltag" oft nichts anhaben können."

Die Ärztekammer für NÖ hat nachstehend einige Informationen und Richtlinien zusammengefasst und ersucht diese in entsprechender Form an die Bevölkerung weiter zu geben:

ACHTUNG BEI KINDERN

Für die Zubereitung von Säuglings- und Kleinkindernahrung sollte kein Trinkwasser verwendet werden (dies gilt vor allem für Hausbrunnen). Es besteht die Gefahr von Infektionen durch Fäkalkeime im verunreinigten Wasser. Nitrate, die ebenfalls im Trinkwasser sein können, können darüber hinaus auch zu Veränderungen des Blutbildes führen. Sollte es bei Klein- und Kleinstkindern zu Durchfallserkrankungen kommen, so ist möglichst rasch der nächste Arzt zu konsultieren. Erfahrungen zeigen, dass im Falle von Naturkatastrophen schon des öfteren epidemische Durchfallserkrankungen aufgetreten sind. Theoretisch besteht auch die Gefahr von Hepatitis A-Infektionen - wenn auch nicht akut. Eine entsprechende Schutzimpfung ist bei allen Haus- bzw. Kinderärzten jederzeit möglich. Sollte bei Kinder nach einer Unterkühlung Fieber, Husten, Schnupfen oder Ohrenschmerzen auftreten, so darf man diese Symptome nicht unterschätzen. Suchen Sie in so einem Fall dringend Ihren Arzt auf.

ACHTEN SIE AUF IHRE HAUT

Im Zuge der Aufräumarbeiten kann es sehr leicht zu kleinen Verletzungen der Haut kommen. Dadurch können Eitererreger leicht in die Haut eindringen und sich Abszesse, Furunkel oder auch sogenannte Schmutzinfektionen bilden. Diese erkennt man an leicht zerreißbaren Blasen, die eitrig und mit teils farblosem wässrigen Inhalt gefüllt sind. Durch die langanhaltende Feuchtigkeit in Gummistiefeln kann es zu Fußpilzbildung bzw. auch zu einem Schweißausschlag kommen. Sollten die Hände durch das lange Tragen von Gummihandschuhen in Mitleidenschaft gezogen worden sein (die Benützung von Gummihandschuhen sollte man grundsätzlich auf das absolut notwendige Mindestmaß reduzieren) so können entsprechende Hautsalben helfen. Auch kleinen Hautverletzungen sollte man vorbeugend desinfizieren. Bei Gelsenstichen sollte man diese nicht aufkratzen, sondern juckreizstillendes Gel auftragen.
Wechseln Sie auch Ihr Schuhwerk so oft als möglich und lassen Sie dieses, falls es feucht ist, austrocknen. Sie sollten Baumwollsocken tragen und - so vorhanden - schweißbindendes Puder verwenden. Beim Auftreten von Beschwerden wenden Sie sich bitte rasch und umgehend an den nächsten Haus- oder Hautarzt.

WENN DER MAGEN "VERRÜCKT SPIELT"

Eine der größten Gesundheitsgefährdungen ist durch verunreinigtes Trinkwasser zu erwarten. Dabei kann es zu infektiösen Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts sowie der Leber kommen. Diese äußern sich für die Betroffenen durch Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall - oft auch ohne Fieber.

Diese Erkrankungen sind jedoch grundsätzlich gut behandelbar und verlaufen im Normalfall ohne große Komplikationen.

WENN DER HALS KRATZT UND DIE OHREN SCHMERZEN

Bei Ver- und Unterkühlungen kann es sehr leicht auch zu Verletzungen oder Entzündungen der Ohrmuschel, des äußeren Gehörganges oder des Mittelohres kommen. Dies ist vor allem durch starke Ohrenschmerzen gekennzeichnet. Entzündungen, Vergiftungen bzw. Blutdruckschwankungen können sich in Form von Schwindel zeigen. Kommt es zu einer Verminderung der Hörqualität, so kann dies durch das Aufquellen von Ohrenschmalz und das Eindringen von Wasser in den Gehörgang oder durch irgendeinen Fremdkörper verursacht worden sein. Überanstrengung, aber auch Staubbelastung oder Verletzungen können Nasenbluten zur Folge haben.

Schluckschmerz kann nach Überanstrengung oder Unterkühlung zu einer Racheninfektion, aber auch zu einer eitrigen Angina führen. Durch Unterkühlung und Erschöpfung, aber auch durch die Inhalation von reizenden Dämpfen kann es zu Atemnot bzw. Reizhusten kommen.
In all diesen Fällen wäre eine Abklärung und Behandlung durch einen HNO-Arzt dringend angeraten.

HUSTEN, SCHNUPFEN, HEISERKEIT

Sollte sich nach den anstrengenden Arbeiten Husten, Kurzatmigkeit, leicht erhöhte Temperatur, Fieber o. ä. zeigen - dies kann vor allen Dingen in Familien vorkommen, in welchen sich Allergiker oder Asthmatiker befinden - so sollten diese Symptome keinesfalls unterschätzt werden. Grund dafür können Schimmelbefall, eingetrocknete Schlammreste in Form von Staub oder aber auch Insekten- und Mückenbefall sein.

Ärzte empfehlen daher vorsorglich - sofern dies möglich ist - das Tragen von Staubmasken. Beim Auftreten von entsprechenden Symptomen wäre der Haus- bzw. Lungenfacharzt aufzusuchen.

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