ÖAMTC nimmt Auto-Elektronik unter die Lupe

Drei High-Tech-Autos im Funktionalitäts-Test

Wien (ÖAMTC-Presse) - Noch schnell das Sakko mit dem Autoschlüssel in der Tasche auf die Rückbank, Tür zu und - ausgesperrt. Moderne Fahrzeug-Elektronik hat ihre Tücken. Schnickschnack oder Fahr- und Sicherheitskomfort - der ÖAMTC ist der Frage auf den Grund gegangen, ob die Elektronik-Features tatsächlich den fahrerischen Alltag erleichtern. Die Techniker des Clubs testeten drei High-Tech-Autos auf Funktionalität und Störanfälligkeit: die zwei Oberklasse-Modelle Mercedes CLK 320 und BMW 735i sowie den Nissan Primera 2,0 als Vertreter der innovativen Mittelklasse.

Einsteigen ins Auto und losfahren. So lautete die simple Testaufgabe Nummer eins. Geprüft wurden zunächst Alltags-Grundfunktionen, wie z.B. das Öffnen/Schließen, die Einstellung von Sitz, Lenkrad, Fenstern, Wischern und Radio. "Um die Echtheit zu garantieren, mit der sich ein durchschnittlicher Lenker erstmals in ein neues Auto setzt, wurden vor den Tests bewusst keine Betriebsanleitungen studiert", berichtet ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl. Pro Fahrzeug konzentrierten sich die Tester außerdem auf ein Spezial-Feature: den automatischen Abstandshalter "Distronic" von Mercedes, das elektronische Bedien-System "i-Drive" von BMW und die Rückfahr-Kamera des Nissan Primera.

Die zusammengefassten Ergebnisse:

* Der Mercedes CLK überzeugt mit Sicherheits- und Komfortelektronik, die man auch ohne Bedienungsanleitung begreift. Von Sitzverstellung bis zur Sperrsteuerung laufen die meisten Bedienungen vertraut ab. Über den "keyless go"-Transponder erkennt das Fahrzeug die Fernbedienung automatisch. So kann der Wagen einfach über den Türgriff geöffnet und anschließend über eine eigene Start/Stop-Taste gestartet werden. Einziger Kritikpunkt: Zum Verriegeln muss dann doch - was gerne vergessen oder übersehen wird -eine Taste im Türgriff gedrückt werden. Der "Distronic"-Tempomat ermöglicht es, über Radar-Sensoren einen konstanten Abstand zum voraus fahrenden Fahrzeug zu halten. Vorsicht ist aber in Kurven und bei Spurverengungen geboten, weil die Erfassung des vorderen Fahrzeugs ungenau ausfallen kann. Der Regensensor wurde als "hektisch" bezeichnet, die Radio-Senderwahl erfolgt laut ÖAMTC-Techniker Kerbl selbst bei Billiggeräten besser.

* Die völlig neu arrangierten Elektronik-Elemente im BMW 735i entpuppen sich nicht immer als bedienfreundlich. Wenig überzeugend auch die Gestaltung der Sperr-Fernbedienung: Überladen und unlogisch, so lautet das Test-Urteil. Positiv bewertet man jedoch die konventionelle Spiegel-Einstellung, Lichtschalter sowie Regensensor und Park-Bremse auf Knopfdruck. i-Drive - ein neues Bedienkonzept für zahlreiche Fahrzeugfunktionen über einen zentralen Knopf und einen Bildschirm - lässt sich erst nach einiger Übung gut bedienen. "Während der Fahrt ist die Menüsteuerung jedoch kaum ohne Ablenkung möglich", urteilt Kerbl über das Spezial-Feature.

* Der neue Nissan Primera 2,0 ist ein High-Tech-Fahrzeug der leistbaren Klasse. Mustergültig sind die Sitzverstellung, der schnelle Fensterheber, der Regensensor und die Platzierung von Display und Tasten des nach BMW-Muster über Bildschirm-Menüs gesteuerten Bedien-Systems. Als "problematisch" bezeichnen die ÖAMTC-Techniker hingegen die Menüführung. "Wenn man nicht sofort reagiert, springt das Menü wieder zurück auf die Start-Seite", erläutert Steffan Kerbl. Die Rückfahr-Kamera ist prinzipiell praktisch, allerdings macht ihr Extrem-Weitwinkel das Abstand schätzen schwierig.

"Je eindrucksvoller sich ein System selbst erklärt, desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Fehlbedienung im Alltagsbetrieb", sieht der ÖAMTC-Techniker in den Test-Ergebnissen ein Credo bestätigt. Die Sinnhaftigkeit einiger Features sollte hinterfragt werden. Nicht immer ist das, was am Vorgängermodell geändert wurde, besser geworden.

Wenn Fehlbedienung zum Problem wird

"Fehler-Provokation" stand im weiteren Testverlauf auf dem Programm. Simuliert wurden typische Fehlbedienungen, wie z.B. den Schlüssel im Fahrzeug zu lassen. "Zwar zeigte keiner der drei Kandidaten bei den Versuchen technische Mängel, es wurde aber in einigen Punkten kritisches Verhalten festgestellt", fasst Kerbl die Ergebnisse zusammen.

Bedenken gibt es beim BMW 735i: Der Schlüssel kann in Fond und Kofferraum eingesperrt werden. Zudem ist das elektronisch verriegelte Auto von innen nicht zu öffnen. Beim Nissan Primera wird kritisiert, dass man die Zentralverriegelung bei offenen Türen aktivieren kann. Der Schlüssel könnte ohne weiteres im Auto vergessen und damit eingesperrt werden. ÖAMTC-Techniker Kerbl beanstandet: "Solche Konzeptfehler sollten eigentlich schon längst der Vergangenheit angehören." Beim Mercedes CLK wurden bei den Versuchen statt Schwächen eher Stärken festgestellt. So ist etwa dank "keyless go" ein Einsperren des Schlüssels im Kofferraum unmöglich.

Ein "Strahlentest" rundete den Check ab. Die ÖAMTC-Techniker fuhren gezielt an Stellen mit geballter elektromagnetischer Strahlung (Rundfunk-Sendeanlage, Umspannwerk), um die Stabilität der Bord-Elektrik zu testen. Erfreuliches Ergebnis: Es gab weder Stör-, noch Ausfälle; alle drei Fahrzeuge bestanden den Test.

Fazit: "Innovationen sollten nicht nur den 'Spieltrieb' der Menschen befriedigen, sondern echten Fortschritt in der Bedienung bringen. Das erreicht man nur durch Einfachheit", stellt ÖAMTC-Techniker Kerbl eine abschließende Forderung an die Automobilhersteller. Alle Details über den "Auto-Elektronik"-Test des ÖAMTC gibt es auf der Homepage des Clubs unter www.oeamtc.at und auf der Website seines Clubmagazins "auto touring" unter www.autotouring.at.

(Schluss)
ÖAMTC-Pressestelle/Elvira Oberweger

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