AK Test: Faschiertes mit "Antibiotikazusatz"

Verbot von Antibiotika in Futtermitteln soll in Österreich vor 2006 kommen - strengerer Einsatz auch in Tiermedizin nötig

Wien (AK) - Antibiotika gehören in der Tiermast schnell "ausgemistet", fordern die AK Konsumentenschützer: Es soll zwar ab 2006 keine Antibiotika im Tierfutter mehr geben, aber das Verbot soll für Österreich schon früher kommen. Ein AK Test zeigt: In "nur" einer Probe an Faschiertem wurde Antibiotika nachgewiesen. Jedoch können sich Konsumenten nicht darauf verlassen, ob Fleisch tatsächlich immer ohne Antibiotika hergestellt wird, da Arzneien nicht immer zu nachweisbaren Rückständen im Produkt führen. Die Konsumenten haben das Recht auf Fleisch von Tieren, die ohne derartige legale und illegale Hilfsmittel aufgezogen werden, sagen die AK Konsumentenschützer. Daher fordert die AK einen strengeren Einsatz von Tierarzneien, verbesserte Haltungsbedingungen in der Tiermast sowie verstärkte Futtermittelkontrollen direkt auf den Bauernhöfen. Insgesamt wurden im Juli 19 Fleischproben aus 19 Wiener Supermärkten untersucht.

In Europa werden in der Landwirtschaft rund 5.000 Tonnen Antibiotika als Leistungsförderer in Futtermitteln und zur Therapie eingesetzt. Die AK kritisiert seit Jahren diese hemmungslose Verwendung von Antibiotika in der Tiermast. Denn Antibiotikaeinsatz führt dazu, dass immer mehr Bakterienstämme resistent werden und medikamentöse Behandlungen - sowohl bei Mensch als auch bei Tier -dann nicht mehr so greifen, wie sie sollten, sagen die AK Konsumentenschützer. So sind bereits beispielsweise in regional stark unterschiedlichen Ausmaßen Antibiotikaresistenzen bei Salmonellen, Campylobakter, Enterokokken oder Escherichia Coli und Staphylokokken festzustellen. Das stellt dann eine direkte Gefahr für den Menschen im Krankheitsfall bei der Behandlung bakterieller Infektionen dar.

In der EU wurden 1999 vier Antibiotika als Futtermittelzusatz verboten, ein generelles Verbot soll ab 2006 kommen.

Antibiotika in einer Probe nachgewiesen
Ein aktueller AK Test zeigt: Bei einer Probe an Faschiertem wurde Sulfadiazin (ein Stoff der Sulfonamidgruppe), das eine antibakterielle Wirkung hat, nachgewiesen. Die gefundene Menge liegt aber unter dem zulässigen Höchstwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm. Das Fleisch war von Billa, 1020, Obere Augartenstraße.

Die AK Konsumentenschützer geben zu Bedenken: Nicht alle Arzneimittel in der Tiermast führen zu Rückständen im Produkt. Werden die Arzneien rechtzeitig abgesetzt, so sind sie im Produkt oft nicht mehr nachweisbar. Daher lassen die Untersuchungsergebnisse keine Schlüsse zu, in wie weit tatsächlich keine Arzneimittel in der Tiermast eingesetzt wurden.

Mehr Sicherheit für die Konsumenten
Die Konsumenten brauchen mehr Sicherheit beim Einkauf von Fleisch. Sie haben das Recht auf einwandfreies Fleisch, artgerechte Tierhaltung und wirksame Maßnahmen gegen die Bildung resistenter Keime und die daraus resultierenden Probleme in der Krankheitsbehandlung, sagen die AK Konsumentenschützer. Daher fordern sie:

+ Antibiotika im Futtermittel soll in Österreich so rasch wie möglich verboten werden. Die AK begrüßt den Vorschlag der EU Kommission, wonach es ab 2006 keine Antibiotika im Tierfutter mehr geben soll, aber für Österreich soll das Verbot früher gelten.

+ Tierärzte müssen Tierarzneien bei Krankheiten restriktiver einsetzen.

+ Die Haltungsbedingungen in der Tiermast müssen verbessert werden, um Krankheiten vorzubeugen.

+ Verstärkte Kontrollen direkt beim Bauern: Die Tiere, zB durch Urin-oder Blutuntersuchungen, und Futtermittel müssen direkt auf den Bauernhöfen kontrolliert werden, um rascher den Missbrauch von Arzneien aufdecken zu können.

+ Amtstierärzte und Fleischbeschautierärzte dürfen keine Großtierpraxis führen, um Interessenskollisionen mit ihrer Kontrolltätigkeit zu vermeiden.

+ Amtliche Kontrolle und privatrechtlich organisierte Beratungs- und Kontrolldienste, wie zB Tiergesundheitsdienste, sind klar zu trennen.

+ Die Zuständigkeit für Veterinärkontrollen auf Bundesländerebene muss statt dem Agrarlandesrat auf den jeweiligen Landesrat für Gesundheit oder Konsumentenschutz übertragen werden.

Zur Untersuchung
Die AK Konsumentenschützer haben im Juli 19 Proben von Faschiertem auf Tierarzneimittel untersuchen lassen. Eingekauft wurde das Fleisch in 19 Wiener Supermärkten. Die Untersuchung führte das Labor des Qlab Austria durch. Nachgeprüft wurde auf verbotene Stoffe, wie Chloramphenicol, Furazolidon, Kortikoide, wie zB Glucocortikosteroide, sowie auf Stoffe mit antibakterieller Wirkung, wie Chemotherapeutika (Sulfonamide), Antibiotika (Makrolide, b-Lactame, Tetracycline, Chinolonderivate), Kokzidiostatika, Leistungsförderer. Bei jedem Produkt wurde auf insgesamt 33 Substanzen untersucht.

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