"Kleine Zeitung" Kommentar: "Scheidungsfall" (von Adolf Winkler)

Ausgabe vom 26.08.2002

Graz (OTS) - In zerrütteten Beziehungen reduzieren sich die Reste der Verständigung auf die Abschiedsdrohung, den Partner und die Familie zu verlassen. Dort ist die FPÖ angelangt. Nur vordergründig wird um Steuerreform und Sonderparteitag gestritten. Wirklich gemeint ist: Wer ist das Familienoberhaupt?

Zwischen Jörg Haider und Susanne Riess-Passer eskalierte es nun zu einer einvernehmlichen Scheidungsdrohung: Wollte sie am Samstag "nicht mehr zur Verfügung stehen" (und Westenthaler mit ihr), so drohte er am Sonntag mit "totalem Rückzug".

Die Drohgebärde ist bei Haider langweilige Routine. "Ich bin schon weg", grollte er im Februar als Ausflucht aus dem Entrüstungssturm über seine unerträgliche Irak-Eskapade. Nun aber ist Haider selbst Angreifer auf seine hochwasserverschreckte FP-Regierungstruppe.

Kein Scheingefecht, sondern beinharter Machtkampf. Erfahrungsgemäß geht Haider dabei Exzess vor Kompromiss. Er weiß, er kann seine Kanzlerträume abschreiben, wenn er unterliegt oder nur noch einfaches Mitglied einer zornig abgespaltenen Landesparteigruppe wird. Da zieht er Scheidung durch Verstoßen vor: Jörg Haider zählt die Tage seiner Susi. Die Trennungskosten an Stimmen trägt die Partei. ****

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