"Kleine Zeitung" Kommentar: "Gefangene" (Von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 23.08.2002

Graz (OTS) - Die Regierung schiebt die versprochene
Steuerentlastung auf und begründet das mit der Hochwasserkatastrophe. Das nimmt sich klug aus, verbindet aber nur das fürs Budget ohnehin Notwendige mit dem für sie politisch Nützlichen.

Die Beamtengewerkschaft wiederholt, unbeeindruckt von allen Flurschäden, dumpfe Streikdrohungen, falls die Gehaltsrunde im Herbst nicht nach ihren Wünschen ausfalle. Sie knüpft damit an einen "Vorrats"-Beschluss an, den ihr Zentralvorstand Ende Mai gefasst hat. Die "adäquate" Bezugserhöhung habe für 2002 in der Nachverrechnung der Inflationsrate, für 2003 zusätzlich zur Teuerung in einem "angemessenen" Anteil am erwarteten Wirtschaftswachstum zu bestehen.

In Zahlen konkretisiert sind die Forderungen noch nicht, die Gespräche stehen erst bevor. Schon jetzt mit einem "heißen" Herbst zu drohen, ist eine schlechte Eröffnung.

Beharrlichkeit gilt als Tugend. Wo sie ein verändertes Umfeld ignoriert, schlägt sie aber in Starrsinn um. Auch Interessenvertretung ist eine Kunst des Möglichen. Wer sich nach diesem nassen Sommer von der eigenen Kraftmeierei beeindrucken lässt, könnte sich leicht ein Eigentor schießen. ****

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