DER STANDARD-Bericht: "ÖBB kauft gelben um 116 Millionen Euro fix" - Erscheinungstag 23.8.2002

Wien (OTS) - Der Querschuss in letzter Minute seitens des französischen Nahverkehrskonzerns Connex verursachte keinen Reifenplatzer. Nun ist es so gut wie fix: Die ÖBB kauft den Postbus, Österreichs größte Linienbusgesellschaft. ÖBB- Chef Rüdiger vorm Walde und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis haben sich am Dienstag nicht nur endgültig über den Kaufpreis in Höhe von 116 Mio. Euro, sondern auch über strittige Gewährleistungsfragen geeinigt, verlautet aus ÖIAG- und Bahnkreisen gleichermaßen.

Offizielle Bestätigungen gab es dafür am Donnerstag weder von ÖBB noch ÖIAG bzw. Postbus. Insider bestätigen aber, dass die letzten Hürden beseitigt seien und der ÖBB- Aufsichtsrat den Deal am 4. September beschließen wird. Zwei Tage später soll das ÖIAG-Kontrollgremium folgen und die Privatisierung im Aufsichtsrat absegnen. Damit wäre zumindest der erste Teil des Ministerratsbeschlusses vom Mai exekutiert.

Maßgeblichen Widerstand gegen den Mega-Deal, der Österreichs größte Linienbusgesellschaft mit 1800 Bussen zunächst um rund 900 Busse vergrößert, hat die ÖBB-Führung zurzeit nur von der Eisenbahngewerkschaft zu befürchten. Diese läuft vor allem gegen den im Anschluss an den Kauf geplanten Teilverkauf des Postbusses seit Monaten Sturm. Man will verhindern, dass sich private Postbus-Konkurrenten wie Blaguss, Dr. Richard oder Sab- Tours die Rosinen herauspicken und die Bahn auf unrentablen Buslinien, überzähligen Werkstätten und teurem Personal sitzen bleibt. Vorm Walde habe dem Aufsichtsrat versichert, dass vor dem Teilverkauf dessen wirtschaftliche Sinnhaftigkeit geprüft werde, heißt es bei der Gewerkschaft. Das warte man ab.

Vom Kartellgericht, bei dem der Buszusammenschluss angemeldet werden muss, erwartet die ÖIAG keine Einwände, sodass das "Closing" des Deals im Februar erfolgen sollte. Juristen meinen aber, dass Konkurrenten wie Connex gegen den "Bahnpostbus" bei der Bundeswettbewerbsbehörde Einspruch erheben könnten, was den auf Sanierungskurs fahrenden Postbus lähmen würde. Dem Vernehmen nach hat die ÖBB-Führung den Franzosen aber zugesichert, dass sie beim Weiterverkauf zum Zug kommt.

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