Solidaritätsstudie: Hohe Solidareinstellung, geringere Handlungsbereitschaft

Leitl betont Aufgabe der Wirtschaft, Solidarität zu stärken und Ängste abzubauen - Wirtschaftskammer Österreich plant elektronische Jobbörse für Behinderte auf wko.at

Alpbach (PWK604) Im Rahmen der Veranstaltung des Europäischen Forums Alpbach "Chefsache - Wirtschaft und Ethik" präsentieren der Theologe Paul M. Zulehner am Donnerstag eine neue Studie zur Solidarität in Österreich: "Das Hemd ist uns näher als der Fremde -Solidarität 1994/2002". Seit der ersten Studie von 1994, so Zulehner, lasse sich in Österreich erkennen, "dass der Wunsch nach Solidarität und das tatsächliche solidarische Handeln auseinanderdriften. Während der Wunsch nach Solidarität in den vergangenen 10 Jahren größer geworden ist, ist die Bereitschaft zur solidarischen Tat mit einigen Ausnahmen - wie etwa der zunehmenden Akzeptanz und Gleichberechtigung von Frauen und Ausländern am Arbeitsmarkt - etwas gesunken. Besonders hoch ist mit 95 Prozent die Solidarität innerhalb der Familie, mit 74 Prozent wird ebenfalls ein hoher Wert bei Solidarität in der Gesellschaft erzielt. Unter 50 Prozent liegt dagegen die Solidarität mit Fremden und Ausländern. Als mögliche Hindernisse, den hohen Wunsch nach Solidarität auch umzusetzen, sieht Zulehner etwa Ängste, die hohe Inanspruchnahme durch Arbeit und Alltag sowie einen zunehmenden Autoritarismus in der Gesellschaft. Nun liege es vor allem an den Familien, der Schule, den Medien und auch der Wirtschaft, den Wunsch nach Solidarität als brachliegendes Potential, als Sozialkapital zu nutzen und zu heben.

Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, unterstrich, dass es auch Aufgabe der Wirtschaft sei, Solidarität zu stärken und Ängste zu mindern. An Hand etlicher Beispiele zeigte er auf, dass "Solidarität in der und für die Wirtschaft kein Schlagwort ist, sondern gelebte Realität." So würden etwa ein Drittel aller Anrufer bei der Hochwasser-Hotline der Wirtschaftskammer Hilfsangebote für die Katastrophenopfer offerieren. Neben der Katastrophensoforthilfe von bis zu 10.000 Euro von Seiten der Wirtschaftskammern für jene Betriebe, die vom Hochwasser schwerst geschädigt wurden, würde nun auch über die 70 Außenwirtschaftsstellen der WKÖ versucht, dringend benötigte Trocknungsgeräte, die in Österreich derzeit Mangelware sind, im Ausland aufzutreiben. Und neben wenigen Ausnahmen hätte sich auch die große Mehrheit der Betriebe beim gewaltigen Einsatz von freiwilligen Helfern in der Flutkatastrophe sehr solidarisch verhalten. Als weitere Maßnahmen, die der Solidarität dienten, nannte Leitl auch die betriebliche Zukunftsvorsorge für alle sowie die Familienhospizkarenz als Lebens-statt Sterbehilfe.

Als persönliches Anliegen bezeichnet Leitl die Beschäftigung von Behinderten. Gerade diese Gruppe habe es im Erwerbsleben sehr schwer. In den kommenden Monaten würde daher gemeinsam mit dem Institut für humanistisches Management als Unterstützungsmaßnahme eine Jobbörse für Behinderte auf wko.at eingerichtet. Diese Internetdatenbank soll helfen, Betriebe und arbeitssuchende Behinderte besser und effizienter zusammenzubringen.

Auch die EU-Erweiterung sieht Leitl nicht nur als ökonomisches und als Friedens-Projekt, sie sei auch ein Partnerschaftsprojekt, bei dem auch die WKÖ bemüht sei, mitzuhelfen, die Erweiterungsländer aufzubauen. So habe die Wirtschaftskammer in den vergangenen Jahren 80.000 Managern aus mittel- und osteuropäischen Staaten in Weiterbildungskursen zusätzliche Qualifikationen vermittelt. Außerdem würde im Herbst 2002 auch das erste WIFI im Ausland, in Budapest eröffnet. Als Unterstützung für einen fairen Handel mit Entwicklungsstaaten wertet Leitl auch die Kooperation der Wirtschaftskammer mit Trans Fair.

Lücken ortet der Wirtschaftskammerpräsident noch in der Förderung und Entwicklung einer familien- und kinderfreundlichen Gesellschaft: "Wir sind noch zu stark im Denken einer Erwerbsgesellschaft fixiert." Nun seien neue Strategien und Maßnahmen wie etwa familien- und kinderfreundliche flexible Arbeitszeiten gefragt.

Wolfgang Kropf, Vize-Obmann des Instituts der österreichischen Wirtschaft, von Austria Perspektiv, welches die Solidaritätsstudie in Auftrag gegeben hat, nutzte die Studienpräsentation für eine erstmalige Vorstellung des think tanks in einer breiteren Öffentlichkeit. Gegründet von WKÖ und Industriellenvereinigung sowie namhaften Betrieben wird Austria Perspektiv langfristiges Forschungs-und Themenmanagement betreiben und dabei vernetzt mit anderen Forschungsinstituten arbeiten. Der Fokus liege dabei auf der Entwicklung langfristiger Konzepte für mögliche Wege in die Zukunft, wobei Nachhaltigkeit eine wichtige Bedeutung habe. (RH)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Stabsabteilung Presse
Tel: 01/50105/3771

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK604