Drei Viertel von Österreichs Unternehmern mit Geschäftsmoral zufrieden

Leitl und Pletzer präsentieren market-Umfrage über Moral in heimischen Betrieben - 64 Prozent befürworten europäische soziale Marktwirtschaft statt US-Kapitalismus

Alpbach (PWK603) "Das Selbstbild der heimischen Unternehmer und Unternehmerinnen zeichnet sich im hohen Maße durch ihre ethische Orientierung aus, zu der sie sich nicht nur bekennen, sondern auch im Alltag um deren Umsetzung bemüht sind. 74 Prozent sind mit der in Österreich vorherrschenden Geschäftsmoral sehr zufrieden bzw. zufrieden. Dieser hohe Zufriedenheitsgrad ist auch leicht verständlich, wenn man die bei den heimischen Selbständigen herrschenden Verhaltenscodices betrachtet. So ist z.B. für 71 Prozent der Unternehmer der Handel mit Produkten aus Kinderarbeit absolut untolerierbar, 70 Prozent betrachten es als sehr schlimm, wenn ältere Mitarbeiter bewusst hinausgedrängt werden. Auch die Bilanzfälschung und die Schmiergeldzahlung sowie die Entlohnung unter dem Kollektivvertrag wird mehrheitlich als schlimm bzw. sehr schlimm betrachtet. Lediglich bei der sogenannten kleinen Notlüge im geschäftlichen Alltag ist man etwas nachsichtiger, 62 Prozent der Unternehmer bezeichnen sie als nicht so schlimm." Dies sind einige der wichtigsten Ergebnisse einer Umfrage des Linzer Meinungsumfrageinstituts market unter 400 Selbständigen in Österreich, welche im Rahmen des Alpbach-Symposiums "Chefsache -Wirtschaft und Ethik" vorgestellt wurden.

Eine harmonische Familienwelt ist für 89 Prozent der Selbtständigen in Österreich der wichtigste Wert in der Berufswelt. Bereits an zweiter Stelle rangiert ein gutes Arbeits- und Betriebsklima. Mehrheitlich werden auch Mitarbeitermotivation, Selbstbewusstsein, die Offenheit gegenüber Neuem, ein guter Ruf, Disziplin und Leistungsorientierung von den Selbständigen für sehr wichtig gehalten. "Diese Tatsache zeigt uns wie wichtig und ausgeprägt der Faktor Mensch in den heimischen Betrieben ist. Ein Beleg für die hohe Geschäftsmoral in Österreich ist auch, dass 72 Prozent der Unternehmer davon überzeugt sind, dass die besondere Beachtung ethischer Standards eher ein Standortvorteil als ein Standortnachteil sind. Und 9 von 10 Unternehmern sind fest davon überzeugt, dass sich Ehrlichkeit und moralisches Verhalten dauerhaft rechnen", skizziert Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, weitere wichtige Ergebnisse der Studie.

Der Moral werden von den Unternehmen auch für die Zukunft große Chancen gegeben. Zwei Drittel glauben, dass sich die soziale Marktwirtschaft, wie sie in Österreich und Europa üblich ist, langfristig gegen das kapitalistische System der USA durchsetzen wird. Attraktiv ist laut Umfrage immerhin für 43 Prozent aber auch das Modell der freien Vereinbarungen. "Man muss nicht immer alles reglementieren. Viele Dinge lassen sich auch mit freien Vereinbarungen bewerkstelligen. Eine sinnvolle Variante, weil so alle Beteiligten hinter der Sache stehen. Vertrauen spielt hier eine ganz wichtige Rolle. Erfreulich ist, dass dieses Vertrauen vor allem bei den Unternehmen - insbesondere bei den Klein- und Mittelbetrieben -untereinander herrscht. So meinen 85 Prozent, dass in Klein- und Mittelbetrieben eine sehr gute bzw. gute Moral herrscht. Anderen gegenüber - und da allen voran der Politik - wird deutlich weniger Vertrauen geschenkt. Lediglich 19 Prozent der Unternehmer billigen der Politik eine sehr gute bzw. gute Moral zu", betont der Wirtschaftskammerpräsident.

Die große Hilfsbereitschaft von Privaten aber auch von Betrieben zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe spiegelt sich in einem weiteren Umfrageergebnis wider: 68 Prozent der österreichischen Selbständigen unterstützen derzeit soziale bzw. gemeinnützige Einrichtungen. Und 69 Prozent meinen, dass eine steuerliche Absetzbarkeit das Spendenaufkommen sehr bzw. etwas erhöhen würde.

Manfred Pletzer, Vorsitzender der Jungen Wirtschaft, sieht beim Thema Ethik noch etliche Defizite, kritisiert die schlechte Vorbildwirkung der Politik, die sich zunehmend auf Show und Marketing statt auf Inhalte und Handschlagfestigkeit konzentriert, und will das Thema Ethik in Zukunft verstärkt diskutieren. "Ethik wird von vielen Jungen zwar gelebt, aber leider noch kaum diskutiert. Die Handschlagqualität geht vor allem in der Politik, aber auch im Geschäftsleben zunehmend verloren, weil sich auch zunehmend die Rahmenbedingungen verändern. Für uns Junge stellt sich im Augenblick nicht die Frage, Soziale Marktwirtschaft oder Kapitalismus nach amerikanischen Prinzip. Vielmehr scheint uns eine offene Diskussion über eine Marktwirtschaft mit ethischen Grundsätzen, also ein dritte Variante, erstrebenswert."

Auch für Univ.-Prof. Mathias Karmasin steckt das Thema Ethik in Österreich noch in Kinderschuhen. "International wird viel mehr über Wirtschaftsethik diskutiert. Weltkonzerne beschäftigen eigene Ethikbeauftragte, um sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen", so Karmasin. Aufholbedarf ortet der Universitätsprofessor vor allem in der Kommunikation. (RH)

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