Tierarzneien: gefährlich bei sorglosem Umgang

Wien (OTS) - Mit Entsetzen muss die Österreichische Tierärztekammer aus einem Bericht des "Standard" vom 22. 8. 02 zur Kenntnis nehmen, dass der Umgang mit Arzneimitteln durch Futtermittelvertreter und einzelne Nutztierproduzenten noch sorgloser war (ist?), als die Tierärzteschaft in ihren schlimmsten Befürchtungen annehmen musste.

Wie im heutigen "Standard", Seite 7, und sinngemäß in anderen Medien zu lesen ist, stellte sich beim Grazer Prozess im Schweinemastskandal heraus, dass, wie sie selbst aussagten, völlig ahnungslose Futtermittelvertreter sich von einzelnen Nutztierproduzenten so unter Druck setzen ließen, dass sie von einem in der Zwischenzeit verurteilten deutschen "Autobahntierarzt" billigst Heilsubstanzen (Impfstoffe, Hormone und Arzneien) besorgten und an die Landwirte weitergaben.

Der Richter Helmut Krischan bezeichnete die Vorgangweise "wie bei den Suchtgiftlern". Die angeschnittene Gefährdung der Tiere ist schon eine unverantwortliche Sache, ungeheuerlich wird jedoch die Inkaufnahme der Konsumentengefährdung, da nahezu unkontrollierbar kontaminiertes Fleisch in den Handel geriet.

Die Österreichische Tierärztekammer hat wesentlich zur Aufdeckung des Schweinemastskandals beigetragen und sieht sich auch deshalb dem zunehmenden Druck einzelner landwirtschaftlicher Funktionäre ausgesetzt, die tendenziell den Tierarzt "aus dem Stall" drängen wollen. Es wird daher besonders darauf zu achten sein, dass im Tiergesundheitsdienst Neu, der derzeit verhandelt wird, Mechanismen vorgesehen werden, die garantieren, dass nicht wieder unkontrolliert Medikamente aller Art in Laienhände geraten.

Die an sich bewährte österreichische Fleischqualität wird in Zukunft nur dann als anerkanntes Markenprodukt von Konsumenten akzeptiert werden, wenn die Lebensmittelsicherheit gewährleistet ist.

Die Tierärzteschaft lädt die landwirtschaftlichen Funktionäre ein, die Tierärzte als Partner in der landwirtschaftlichen Tierhaltung und Garanten für hohe Fleischqualität anzuerkennen. Nur der Tierarzt verfügt an der Schnittstelle von Tier, Mensch und Natur über das einschlägige Fachwissen und bringt überdies sein hohes ethisches Verantwortungsgefühl in das so sensible Geflecht von Nutztierwirtschaft, Tierschutz und Konsumentenschutz ein: zum Nutzen aller Beteiligten!

Präsident VR Dr. Franz Josef Jäger
Bundeskammer der Tierärzte Österreichs

Rückfragen & Kontakt:

Für Interviews steht Ihnen Präs. VR Dr. Franz Josef Jäger
(05283/2414), Präs. LK Steirmark, Dr. Franz Krispel
(0676 86640114), Präs. LK OÖ Dr. Helmut Wurzer (0664 10212119),
Vizepräs. LK NÖ Dr. Walter Holzhacker (07487/2882) und zur
Unterstützung bei Recherchen Presserefernt Johannes Weiß
(01 402 75 73) zur Verfügung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/OTS