"Hauptwohnsitz Großstadt": Zeitschrift über "Medien und Städte"

Wien (OTS) - Großstädte und ihre Medien sind Themenschwerpunkt der kürzlich erschienenen Ausgabe der Zeitschrift "Informationen zur modernen Stadtgeschichte"(IMS), herausgegeben vom Deutschen Institut für Urbanistik. In mehreren Fachaufsätzen beschäftigen sich die Autoren mit dem konstitutiven Zusammenhang der Mediengeschichte mit der Entwicklung der europäischen Großstädte, spätestens seit der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Clemens Zimmermann, Historiker der Universität Heidelberg, stellt fest, dass es gerade die Tageszeitungen waren, die den Städten in der Periode ihres "eruptiven Wachstums" (Wien wuchs etwa zwischen 1869 und 1910 von 632.127 auf über 2 Millionen Einwohner) essentiell wichtig für die Schaffung eines konstanten Stadtraums waren. Zimmermann schreibt dazu: "Gerade wegen der hohen Mobilität im Urbanisierungszeitalter und aufgrund der von den Zeitgenossen als beunruhigend wahrgenommenen Unübersichtlichkeit der wachsenden Städte erwiesen sie (die Medien) sich sowohl zur Vermittlung alltagsrelevanter Orientierungen wie zur Entwicklung von Bezügen zur Stadtumwelt als unerlässlich."

Medien bevorzugen trotz Internet weiterhin die Großstadt

Orientiert an der Infrastruktur der Medien (Zeitungsredaktionen, Kinos, Radiostationen, Fernsehsender) führen die einzelnen Beiträge deutlich vor Augen, wie sehr die Großstadt bereist sehr früh bevorzugter Ort der Medienindustrie wurde, wobei nicht überall die Hauptstadtfunktion mit der Zentralfunktion im Medienbereich zusammenfiel. In Deutschland galt Berlin zwar seit langem als wichtige "Zeitungs-Stadt", München eilte hingegen der Ruf als "Zeitschriften"-Stadt voraus, Köln gilt bis heute als wichtigste Stadt im Bereich des Fernsehens. Wien kommt in den Untersuchungen zwar nicht explizit vor, hier dürfte aber die Deckungsgleichheit zwischen Hauptstadt und Zentrum der Medien zutreffen, nicht viel anders als etwa für London und England. Angesichts neuester medialer Technologien, die gemäß einer aktuellen "telematischen" These die Auflösung der Verankerung in der Großstadt zur Folge habe, setzen die Wissenschaftler die Tatsache entgegen, dass etwa im freien Radiobereich die Großstadt noch immer der zentraler Arbeitsort sei. Ähnliche "Beharrungen in der Großstadt" werden auch für den Internet-Bereich festgestellt.

Kommunale Öffentlichkeitsarbeit kein Phänomen der Gegenwart

Ein weiteres großes Thema der aktuellen IMS-Ausgabe widmet sich der historischen Tradition der Öffentlichkeitsarbeit kommunaler Stadtverwaltungen. Einen bemerkenswerten Befund liefert hierzu der Wissenschaftler Lu Seegers ab, der in einer Zwischenbilanz eines noch laufenden Groß-Projektes über "Stadtrepräsentationen und Medien" an der Universität Hannover feststellt, dass die Eigen-PR von Städten keineswegs ein Phänomen der jüngsten Vergangenheit sei, sondern spätestens mit Ende des 19. Jahrhunderts von Seiten der Städte als wichtiges Aufgabenfeld entdeckt wurde. Eine starke Professionalisierung dieses Bereiches der Öffentlichkeitsarbeit erfuhr das Thema in Zeiten des Nationalsozialismus bzw. auch in Zeiten der DDR, die vor allem durch so genannte "Pressefeste", die, scheinbar ideologiefrei, für die Öffentlichkeit inszeniert wurden.

o Informationen zur modernen Stadtgeschichte 1/2002
136 Seiten, 10 Euro

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