"Kleine Zeitung" Kommentar: "Dammbruch" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 20.08.2002

Graz (OTS) - Der Pegel im Beziehungsdrama zwischen Susanne Riess-Passer und Jörg Haider hat gestern einen neuen, dramatischen Grenzwert erreicht. Auf der einen Seite des Ufers steht eine Parteiobfrau, deren Vorrat an Unterwerfungsbereitschaft aufgbegraucht scheint und die in ihrer Emanzipation einen gravierenden Schritt setzte: Sie bietet ihrem politischen Übervater erstmals offen die Stirn.

Der lotet verbittert seine Einflussphären aus und muss eine schmerzliche Erfahrung machen: Die, denen er die Zügel in die Hand legte, verweigern ihm die Gefolgschaft.

Dass der eigene Parlamentsklub einen Jörg Haider niederstimmt, wäre noch vor kurzem als denkunmögliche, selbsmörderische Denkmalschändung empfunden worden. Doch die Führerpartei ist keine mehr. Sie zerfällt in zwei Flügel, in die alte FPÖ des stimmenwirksamen Ressentiments und in eine gehäutete, um Respektabilität bemühte FPÖ. Was als Zweifirmenstrategie angelegt war, ist der Partei völlig entglitten.

In Frage der Steuerreform kann es zwischen Riess-Passer und Haider nur einen Sieger geben. Haider spürt, dass erstmals nicht er es ist. Das macht ihn zum größten Bedrohungsfaktor für eine Koalition, die er selbst schuf. ****

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