"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Auf der hohen Kante (von Brigitte Burger)

Ausgabe vom 20.08.2002

Klagenfurt (OTS) - Die Österreicher gelten generell als sparsames Volk. Das gute alte Sparbuch ist uns lieb und teuer. Werte wie Sicherheit, auch die finanzielle, werden in der Alpenrepublik hochgehalten. Man hat gerne etwas auf der hohen Kante, bevor man sich in Anschaffungen stürzt.

Doch im ersten Halbjahr 2002 haben die Österreicher um 1,05 Mrd. Euro weniger auf besagte hohe Kante gelegt als im Vergleichszeitraum 2001. Grund dafür ist aber nicht, dass die Alpenrepublikaner plötzlich von der Leichtigkeit des Ausgebens erfasst wurden, die Prasserei entdeckt hätten und die Zukunft Zukunft sein lassen würden. Es bleibt schlicht und ergreifend bei vielen nichts mehr übrig, das sie aufs Sparbüchel legen könnten.

Zu viele finanzielle Belastungen, Gebühren etc. haben Schwarz-Blau den Österreichern auferlegt. Die Hoffnungen auf die Steuerreform hat die Jahrhundertflut weggespült. Angesichts der entfesselten Naturgewalten und der unvorstellbaren Verwüstungen in den betroffenen Gebieten erscheint der Blick aufs eigene Sparkonto frevelhaft. Viele der Hochwasseropfer haben den letzten Groschen in ihre Häuser gesteckt. Jetzt ist nichts mehr da für den Wiederaufbau. Doch es gibt auch viele, die die Flut verschont hat, bei denen es Monat für Monat ohnehin nicht fürs Leben reicht und die an die hohe Kante nicht einmal zu denken wagen.

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