ORF-Kokommentator Zadrobilek: "Möchte dem Radsport auch in Zukunft treu bleiben"

Ex-Radprofi analysiert im ORF-Interview die Mountainbike-WM-Strecken

Wien (OTS) - Gerhard Zadrobilek, ehemaliger österreichischer Radprofi und ORF-Kokommentator bei der Mountainbike-WM 2002 in Kaprun, kann mit einer Besonderheit aufwarten: Er holte sowohl auf der Straße als auch mit dem Mountainbike Weltcupsiege. Der 41-jährige Niederösterreicher über seine Radsport-Karriere: "Neun Jahre war ich Straßenprofi, bin sechs Mal den Giro und drei Mal die Tour de France gefahren. Ich war vom Straßensport dann aber übersättigt und habe meine Karriere beendet. Erst danach bin ich zum Mountainbike-Sport gekommen. Fünf Jahre lang war ich dann Mountainbike-Profi. Auch in Zukunft möchte ich dem Radsport treu bleiben. Die Kokommentatoren-Tätigkeit beim ORF gibt mir bei der Mountainbike-WM dazu Gelegenheit. Ich habe gehört, dass sich Österreich um eine Rad-WM bewerben will. Vielleicht ergibt sich dann ebenfalls wieder etwas".

Zadrobilek zur Umstellung vom Straßensport auf das Mountainbike: "Man braucht eine Top-Kondition auf hohem Level und muss vor allem technisch sehr gut sein. Die Fahrtechnik - das ist der grundlegende Unterschied. Und das ist der Hauptgrund, warum nicht viele Straßenprofis den Umstieg auf das Mountainbike schaffen".

"Wer beim Cross-Country in Kaprum gewinnt, hat es sich wirklich verdient"
Im ORF-Interview erklärt der Mountainbike-Vizeweltmeister auch die Unterschiede der wichtigsten WM-Bewerbe sowie die Besonderheiten der Strecken in Kaprun.

Downhill: "Downhill lebt von der hohen Geschwindigkeit und ist besonders spektakulär. Mit vollgefederten Rädern geht es beim Downhill nur bergab. Die Räder sind sehr schwer und nicht geeignet, um bergauf zu fahren. Die Fahrer sind durch Protektoren gut geschützt. Früher wurden in Kaprun Geschwindigkeiten bis 90 km/h erreicht. Die Hochgeschwindigkeit ist ein bisschen heraußen, 70 km/h sind aber immer noch zu erreichen. Die Strecke ist irrsinnig spektakulär, mit tollen Sprüngen und fast kein Meter geht geradeaus".

Cross-Country: "Beim Cross-Country ist ein ganz anderer Athletentyp gefragt. Es ist der Ausdauerathlet, der aber auch ein guter Techniker sein muss. Die Räder sind wesentlich leichter. Meistens ist nur die Gabel gefedert, der Hinterbau ist steif. Der Kurs in Kaprun ist sehr schwierig. Er hat gewaltige, ruppige Anstiege und sehr interessante, technisch anspruchsvolle Abfahrten. Das geht voll an die Grenzen. Die Fahrer müssen taktisch klug sein und sich die Reserven entsprechend einteilen. Wer beim Cross-Country in Kaprun gewinnt, hat es sich wirklich verdient. Für die Zuschauer ist die Strecke gut einsichtig".

4-Cross: "Der Kurs ist relativ kurz und hat viele spektakuläre Sprünge. Das Besondere beim 4-Cross ist der Kampf Mann gegen Mann. Es kommt immer wieder auch zum Mannkontakt. Es passiert dennoch relativ wenig. Alle Athleten sind topfit und schalten beim Fahren auch ihr Hirn nicht aus. Das war früher weit ärger, weil die breite Masse mit dabei war und die das einfach nicht konnte. Die Räder sind eine Mischung: eher Cross-Country mit langer Federgabel".

Klassische Radsport-Nationen als Favoriten
Für den Niederösterreicher kommen die WM-Favoriten aus den klassischen Radsport-Ländern: "Man kann noch nicht sagen, wer in Form sein wird. Es sind viele namhafte Fahrer am Start, ein sehr breites Feld. Die Favoriten kommen für mich vor allem aus Frankreich, USA, Niederlande und Belgien, also aus den klassischen Radsport-Ländern. Früher war Mountainbike eine amerikanische Domäne. Diese Dominanz ging aber verloren. Mittlerweile sind die Europäer stark. Die Österreicher haben aber leider den Anschluss verloren".

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