OeNB - Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im ersten Halbjahr 2002

Wien (OTS) -

  • Bilanzsumme sinkt um -0,13 Mrd EUR - das ist der größte Rückgang seit Ende der 80-er Jahre.
  • Direktkredite: +0,8 % - Kreditwachstum wird hauptsächlich von den Fremdwährungsausleihungen getragen.
  • Wertberichtigung auf Kundenforderungen steigen auf 3,35 %.
  • Einlagen: -0,8 % - Die letzte derartige Einlagenreduktion fand 1996 statt. Auch die Spareinlagen sinken um -0,8%.

Bilanzsumme sinkt erstmals seit Ende der Achtziger Jahre
Das erste Halbjahr 2002 gestaltete sich in bilanzieller Hinsicht für die in Österreich tätigen Kreditinstitute schwierig. Seit Jänner reduzierte sich nämlich deren Bilanzsumme um -0,13 Mrd
EUR. Das war der größte Rückgang seit Beginn der elektronischen Datenverfügbarkeit (Ende 80-er Jahre). Noch in der Vergleichsperiode 2001 war die Bilanzsumme um +4,55 Mrd EUR oder +0,8% gestiegen. (Grafik,Kumulative Veränderung Bilanzsumme in
Mio EUR, siehe unter http://www.oenb.at)

Kreditwachstum halbiert sich
Nach noch +4,13 Mrd EUR (+1,8%) in der Vergleichsperiode 2001 halbierte sich das Direktkreditwachstum in den ersten 6 Monaten
2002 auf nur noch +1,94 Mrd EUR (+0,8%) - das ist der niedrigste Wert seit 1999. Die Erhöhung resultierte zum größten Teil aus
den Fremdwährungsausleihungen, welche seit Jänner um +1,57 Mrd
EUR (+3,7%) und somit nur wenig schwächer als im Vorjahr (+1,95
Mrd EUR oder +4,9%) wuchsen. Der Anstieg der Eurokredite
reduzierte sich hingegen sehr deutlich. War ihr Zuwachs im
ersten Halbjahr 2001 noch bei +2,18 Mrd EUR oder +1,2% gelegen,
so betrug er heuer nur mehr +0,37 Mrd EUR oder +0,2%. Somit
stieg der Anteil der Fremdwährungsausleihungen an den gesamten Krediten seit Jänner 2002 von 18,2% auf 18,7%.

Bei sektoraler Betrachtungsweise zeigte sich in den ersten
beiden Quartalen 2002 ein durchaus inhomogenes Bild: Während die Raiffeisenbanken, die Volksbanken und die Sonderbanken ein stärkeres kumulatives Wachstum bei den Eurokrediten aufwiesen, vergaben die restlichen Sektoren (ausgenommen Bausparkassen)
mehr Fremdwährungskredite.

Rund 72% aller Eurokredite (incl. Überziehungen von Girokonten) waren im untersten Segment "bis 10.000 EUR" angesiedelt, wogegen
nur rund 10% aller Fremdwährungskredite in diese Kategorie
fielen. Hier befanden sich die meisten Ausleihungen (rund einDrittel) im Segment zwischen "100.000 bis 500.000 EUR".

Nach wie vor waren im 2. Quartal 2002 etwas mehr als die Hälfte aller Fremdwährungsausleihungen in Schweizer Franken denominiert
- allerdings bei leicht abnehmender Tendenz. Seit Beginn 2002 wuchsen sie um +0,6 Mrd EUR (+2,6%). Da der Wechselkurs des CHF zur selben Zeit geringfügig gegenüber dem Euro gewann, dürfte
der Ausleihungsstand in dieser Währung stagniert haben. Ein
etwas anderes Bild gestaltete sich bei den Fremdwährungskrediten
in japanischen Yen: Deren Anteil an den gesamten FW-Ausleihungen kletterte innerhalb eines Jahres von 40,5% auf 42,0%. Seit
Jänner wuchsen die JPY-Kredite um +0,6 Mrd EUR oder +3,2%. Auch
in dieser Währung dürfte der Nettozuwachs - aufgrund der Wechselkursschwankungen - etwas geringer ausgefallen sein.
(Grafik: Struktur der Fremdwährungskredite, siehe unter http://www.oenb,at).
Bei Betrachtung der regionalen Unterschiede fiel auf, dass der Westen Österreichs zwar mit rund 32% einen doppelt so hohen
Anteil der Fremdwährungsausleihungen an den gesamten Krediten aufwies, dass die Zuwachsrate im Osten aber mit rund +6% höher
als im Westen (mit rund +4%) war.

Die Wertberichtigungen auf Kundenforderungen sind seit ihrem Tiefpunkt im Dezember 2000 (2,92%) stetig im Steigen begriffen
und beliefen sich per Ende Juni 2002 auf 3,35%.
(Grafik: Wertberichtigungen, siehe unter http://www.oenb.at)

Einlagen sinken um -0,8%
Nach einem Zuwachs der Einlagen von +2,84 Mrd EUR oder +1,6% im Zeitraum Jänner bis Juni 2001 meldeten die Kreditinstitute heuer bereits einen Rückgang von -1,53 Mrd EUR oder -0,8%. Die letzte derartige Einlagenreduktion hatte im Jahr 1996 stattgefunden.

Innerhalb der Einlagen erhöhten sich die Sichteinlagen, die im Vorjahr um +0,76 Mrd EUR (+2,1%) gestiegen waren, heuer bereits
um +1,85 Mrd EUR (+4,8%). Alle anderen Einlagenkategorien fielen relativ stark. So wurden die Termineinlagen seit Jänner 2002 um -2,33 Mrd EUR oder -9,2% reduziert, während sie in der Vergleichsperiode 2001 noch um +1,65 Mrd (+8,2%) gewachsen
waren. Auch die Spareinlagen sanken heuer bereits um -1,05 Mrd
EUR (-0,8%) gegenüber einem Plus von +0,43 Mrd EUR (+0,4%) im Zeitraum Jänner bis Juni 2001. Dies, obwohl die Zinssätze
zuletzt wieder im Steigen begriffen waren (So stieg der durchschnittliche Zinssatz für Spareinlagen über 12 Monate seit Jänner um +0,11 Prozentpunkte auf 2,86 Prozent) und die
Schwierige Lage auf den internationalen Kapitalmärkten anhält.

Rund 96% aller 23,6 Mio Spareinlagen wiesen einen Einlagenstand
von unter 20.000 EUR auf. Auf 136 Sparbüchern befand sich ein Betrag größer als 3 Mio EUR.

Eigene Emissionen im Plus
Wie bereits in den letzten Jahren ersichtlich, refinanzierten
sich die Kreditinstitute zunehmend mittels eigener Emissionen.
So erhöhte sich das Volumen der eigenen Inlandsemissionen im
ersten Halbjahr 2002 bereits um +3,25 Mrd EUR oder +6,0%
gegenüber +2,35 Mrd EUR oder +4,5% im Vergleichszeitraum 2002.
Die "begebenen Schuldverschreibungen" waren hierbei mit einem
Plus von +3,28 Mrd EUR (+13,2%) für den Zuwachs hauptverantwortlich.

Auslandsgeschäft
Angesichts der derzeit eher schwierigen Lage im Inlandsgeschäft versuchten die Kreditinstitute offensichtlich verstärkt, ihre Auslandsforderungen auszuweiten. Diese erhöhten sich seit Jänner 2002 um +5,06 Mrd EUR (+3,2%), während sie im selben Zeitraum
2001 um -4,24 Mrd EUR (-2,7%) reduziert worden waren. Vor allem
der Zwischenbankverkehr mit ausländischen Banken trug mit +3,20
Mrd EUR bzw. +3,9% (1. Halbjahr 2001: +1,84 Mrd EUR oder +2,3%)
rund zwei Drittel zum Zuwachs bei. Die Auslandsverbindlichkeiten sanken hingegen in den ersten zwei Quartalen 2002 um -4,43 Mrd
EUR (-2,5%) gegenüber -3,19 Mrd EUR (-1,8%) in der Vergleichsperiode 2001.

Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute in Österreich (http://www.oenb.at)

Stand Kumulative Veränderung 2002/06 2002 2001
Mrd EUR Mrd EUR in % Mrd EUR in % Einl. v. inl. NB. 188,04 -1,53 -0,80 +2,84 +1,60 EUR-Einlagen 185,13 -1,75 -0,90 +3,01 +1,70 Hievon Spareinl. 124,39 -1,05 -0,80 +0,43 +0,40 Eig.inl.Emission an
Nichtb. (EUR u. FW) 57,63 +3,25 +6,00 +2,35 +4,50 Direktkredite an inl.
Nichtbanken 234,74 +1,94 +0,80 +4,13 +1,80 EUR-Direktkredite 190,89 +0,37 +0,20 +2,18 +1,20 Fremdwhr.-Direktkr. 43,86 +1,57 +3,70 +1,95 +4,90 Titrierte Kred.an inl.
Nichtb. (EUR u.FW) 21,03 -0,38 -1,80 -0,57 -2,30 Auslandsaktiva 161,38 +5,06 +3,20 -4,24 -2,70 Auslandspassiva 169,76 -4,43 -2,50 -3,19 -1,80 Bilanzsumme 587,61 -0,13 -0,00 +4,55 +0,80 Nicht bilanzwirksame
Geschäfte 1.280,20 +118,89 +10,24 +62,04 +7,50 Hievon besondere
Außerbilanzmäßige
Finanzgeschäfte 1.233,24 +123,36 +11,11 +60,27 +7,66 Eigenmittel absolut 43,22 +1,24 +3,00 +2,87 +7,70 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 15,01
(Betreffen jene Banken, die laut BWG zur Haltung von
Eigenmitteln verpflichtet sind.)

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