"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "In der Bewährung" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 19. August 2002

Innsbruck (OTS) - Im Rückblick einer dramatischen Woche ist Stolz auf neue Weise berechtigt. Österreicherinnen und Österreicher haben im Kampf gegen Schlamm und Wassermassen viel geleistet. Ein Volk notorischer Raunzer? Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass noch mehr zu tun ist. Aber man darf zuversichtlich sein, dass auch die "Hilfe der zweiten Stunde", wie es Caritas-Präsident Küberl nennt, mit ähnlichem Engagement erfolgen wird.

Erheblich schneller als Appelle formuliert waren, fanden sich die Menschen im Zeichen der Mitmenschlichkeit ein. Das mögen Politiker gefälligst einkalkulieren, wenn sie bei nächster Gelegenheit wieder mit gestelzten Wendungen und Empfehlungen zum Thema Bürgergesellschaft Aufmerksamkeit erheischen wollen. Die Politik wird spätestens heute bei der Sitzung des Nationalrats wieder in die reißenden Gewässer von Taktik und höchst unterschiedlichen Positionen geraten. Mit der unbürokratischen Freigabe von Geld für Opfer der Katastrophe wird es für die Regierung nicht getan sein. Ein Schwall von Problemen kommt auf sie zu.

Passables Krisenmanagement ohne peinliche Gummistiefel-Hektik ist im Grunde eine Selbstverständlichkeit. Daraus folgende Pluspunkte der Popularität sind nicht von Dauer. Es geht gleichermaßen um Kontinuität und Weitblick. Gewiss: Außerordentliche Situationen erfordern manche Korrekturen. Eine Steuerreform, die zuletzt ohnedies mehr stereotyp behauptet als realistische nächste Phase war, ist abgesagt. Das wird die Mehrheit akzeptieren. Andere Rätsel bleiben bohrende Fragen. Binnen eines Tages wurde aus des Kanzlers dezidiertem Satz "der Beschluss über die Abfangjäger bleibt unverändert aufrecht", eine Verringerung der Stückzahl von 24 auf 18 und die Verschiebung der ersten Zahlung um ein Jahr. Den Opfern der Flut kommt davon nichts zugute. Wer erhofft sich dann einen kleinen Bonus?

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