"Kleine Zeitung" Kommentar: "Führung" (von Hans Winkler)

Ausgabe vom 13.08.2002

Graz (OTS) - Mancher wird sich noch daran erinnern, dass sich
einmal ein Bundeskanzler dabei fotografieren ließ, wie er im Ölzeug, in Stiefeln und mit einem roten Kübel in der Hand bei einem Hochwassereinsatz mitwirkte.

Das wurde als deplatziert empfunden. Zu deutlich war die Regie des Spin-Doctors zu merken, der Hilfsbereitschaft als Werbegag einsetzte.

Auch sind die Zeiten vorbei, als die Landeshauptmänner immer Stiefel und Wetterjacke mitführten, um bei jedem besseren Feuerwehreinsatz die allpräsente Sorge der Politik um das Wohl der Bürger zu demonstrieren.

Es gibt freilich auch das Gegenteil: Wenn die Politiker vor lauter Zurückhaltung und Sorge, sie könnten mißverstanden werden, überhaupt nichts von sich hören und sehen lassen.

Es ist nur selbstverständlich, dass gestern alle anderen politischen Aktivitäten zurückgestellt wurden. Aber weiß man nicht schon seit Tagen, dass dieses Unglück alles Dagewesene übertrifft?

In der Stunde großer Not darf von der Politik die Versicherung, dass das Richtige und Notwendige geschieht, ja: auch ein Wort der Orientierung und des Trostes erwartet werden.

Auch das ist Führung. ****

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