TiSpa: Und keiner hat was bemerkt...

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Christian Höller

Wien (OTS) - Nach der Grazer BHI, der Rieger- und der Diskontbank steht in Österreich erneut eine Bank vor einem finanziellen Scherbenhaufen. Doch diesmal handelt es sich nicht um kleines Institut, sondern um die Tiroler Sparkasse (TiSpa), die über Tausende Kunden und ein grosses Filialnetz verfügt. Die Sparer haben zum Glück nichts zu befürchten. Denn mit der Übernahme durch die Erste Bank ist die TiSpa gerettet. Die Erste ist nicht aus Jux und Tollerei eingestiegen, sondern hat als Spitzeninstitut des Sparkassensektors dazu eine gewisse moralische Verpflichtung. Ausserdem sichert sie sich mit der TiSpa den Zugang zum Tiroler Markt.

Auch bei der Salzburger Sparkasse, die 1996 laut Erste-Chef Andreas Treichl kurz vor dem "Hopsgehen" war, hat die Erste aufgeräumt. Die Tiroler können froh sein, dass die Erste einspringt. Denn wie sich jetzt herausstellt, hat die TiSpa in den vergangenen Jahren hohe Verluste eingefahren. Die Bilanz wurde durch den Verkauf von Familiensilber geschönt. "Bei den Vergabe von Krediten dürfte nicht immer die Bonität eines Kunden, sondern gute Verbindungen zum Vorstand oder zum Aufsichtsrat gewesen sein", kritisieren Tiroler Oppositionsparteien.

Tatsächlich waren im obersten Kontrollorgan der Bank in erster Linie ÖVP-Leute tätig. Doch diese haben von den Fehltritten angeblich nichts mitbekommen. Innsbrucks Bürgermeister und designierter Landeshauptmann, Herwig van Staa, behauptet, er habe "einen Teil der Geschäftspolitik" kritisch gesehen, allerdings konnte er als Aufsichtsrat keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik ausüben. Auch AK-Präsident Fritz Dinkhauser (VP) ist über die Entwicklung überrascht, doch er konnte im Aufsichtsrat nichts dagegen tun. Die Schuld liege in der "Grossmannsucht" ehemaliger Vorstände.

Den Vogel schiesst Bauernbundobmann Anton Steixner ab, der sogar im Kreditausschuss gesessen ist: "Ich habe dem Vorstand bei Kreditvergaben vertraut und wollte nicht gescheiter sein als die Direktoren." Und Wirtschaftsbundobmann Jürgen Bodenseer fühlt sich vom TiSpa-Vorstand getäuscht: "Die Lage wurde wesentlich rosiger dargestellt als sie war." Mit diesen Aussagen haben sich die Herren selbst ins Abseits manövriert. Der TiSpa-Skandal zeigt, dass Politiker im Aufsichtsrat einer Bank nichts zu suchen haben. Kein Wunder, dass die Erste unmittelbar nach der TiSpa-Übernahme die ÖVP-Leute freundlich, aber bestimmt aus dem Kontrollgremium hinauskatapultiert hat.

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