"Tiroler Tageszeitung" - Kommentar: "Am falschen Ort" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 12. August 2002

Innsbruck (OTS) - Das Desaster bei der Tiroler Sparkasse erzeugt Nahrung für ein herrschendes Vorurteil: Politiker sind keine Wirtschafter und sollen nicht in den Aufsichtsräten sitzen. In der Tat: Diesem Vorurteil ist nur schwer beizukommen.

Wenn etwa Bauernbund-Obmann Steixner erklärt, dass er als Mitglied des Kreditausschusses bei Kreditvergaben dem Vorstand vertraut habe -schließlich wollte er nicht gescheiter sein - dann ist dies nicht nur eine ehrliche Antwort. Es ist auch entlarvend für die Funktion des Politikers im Aufsichtsrat. Ähnlich die Aussagen des Innsbrucker Bürgermeisters van Staa oder des AK-Präsidenten Dinkhauser. Beide erklären heute, sie hätten damals manche Geschäfte kritisiert. Mehr aber nicht.

Abgesehen davon, dass sich Politiker von ihrem Grundverständnis her nicht um die Entwicklung eines Unternehmens kümmern können, fehlt ihnen für eine gewissenhafte Aufsichtsrats-Funktion neben dem Detailwissen vor allem Zeit, um die Entscheidungen der Vorstände zu prüfen. Beides ist ihnen nicht vorzuwerfen. Nur sei die Frage erlaubt, ob es nicht klüger wäre, unabhängige Fachleute in die Aufsichtsräte zu entsenden und selbst den Rückzug anzutreten. Dies würde auch für jene Wirtschaftsunternehmen gelten, die - wie Hypo und Tiwag - sich zur Gänze im öffentlichen Eigentum befinden. Denn für die grundsätzlichen Vorgaben steht dem Eigentümervertreter ja die Einrichtung der Hauptversammlung zur Verfügung.

Anders muss es sich jedoch bei jenen öffentlichen Unternehmen verhalten, die nicht nach rein wirtschaftlichen Kriterien agieren sollen. Würden sich etwa die Politiker aus dem Tilak-Aufsichtsrat der Landeskrankenanstalten zurückziehen, würden sie sich auch vom Grundverständnis der Politik, des Arbeitens am Gemeinwohl, verabschieden. Im Tilak-Aufsichtsrat geht es nicht ausschließlich um Gewinne für das Unternehmen, sondern um die Gesundheitspolitik im Lande. Das ist der Unterschied.

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