"Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Jörg Haider wird "rot" (von Manfred Posch)

Ausgabe vom 11.08.2002

Klagenfurt (OTS) - Vor einem in der Wolle gefärbten, treu zu den Prinzipien seiner Partei stehenden Sozialdemokraten habe er mehr Respekt als vor wenig überzeugten Mitläufern der Freiheitlichen. Dieser - sinngemäß wiedergegebene - Ausspruch Haiders hat vor Jahren in SP-Kreisen Verblüffung ausgelöst. Nun entdeckt der Landeshauptmann einmal mehr seine "Liebe" zur Sozialdemokratie, bansprucht ein Kreisky-Zitat ("Mir bereiten ein paar Milliarden Schilling mehr Schulden weniger schlaflose Nächte als hunderttausend Arbeitslose") für sich.

Kreiskys Klassiker nachhüpfend, ließ Haider dieser Tage folgenden Spruch vom Stapel: "Besser ist es, man belebt die Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze, als man hat die Leute herumsitzen und freut sich über das Nulldefizit." Klar denn auch, dass beide Zitate von Kommentatoren zum Anlass mehr oder weniger gelehrter Analysen genommen werden. Die neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" möcht nicht abseits stehen - und wundert sich schon nicht mehr, dass Haider eine seiner berüchtigten, von fragwürdigsten Nixscheißerei beflügelte Volten schlägt.

Jener Kreisky-Ausspruch ist insoferne staats- und mediengeschichtsträchtig, als er ja immer wieder herangezogen wurde, wenn es darum ging, sozialdemokratische "Schuldenpolitik" anzuprangern. Am vehementesten haben sich Haider und dessen Freiheitliche Partei gegen das "Schuldenmachen" ausgesprochen - und damit gepunktet, was das Zeug hielt. Noch heute treibt das "Schuldenthema" vielen Leuten die Zornesröte ins Gesicht, sogar so manchen angeblich Roten.

Haiders Abkehr vom Extremsparkurs der Bundesregierung hat mehrere Ursachen, von denen hier lediglich eine herausgestellt werden soll. Der Kärntner Regierungschef muss immer deutlicher erkennen, wie schlecht es der FPÖ geht. Die Freiheitlichen befinden sich auf rasender Talfahrt, wofür die Causa Gaugg nur eines von dick und ungustiös aufgetragenen Gleitmitteln ist.

Am Erfolg oder Misserfolg der Freiheitlichen wird keine Riess-Passer gemessen, kein Grasser und schon gar kein Nachgereihter. Das blaue Logo ist nach wie vor Haider. Geh'n ihm die Themen aus, suchen seine angeblich Getreuen, weil bequem und satt geworden, keine attraktiven neuen. Also her mit Kreisky! Hinein mit ihm in den gefährlich schlingernden FP-Karren! Dort sitzt der "Alte" nun, spielt mit der Brille und grantelt: "Ich bin der Meinung, das gehört sich nicht."

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