Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Wie Terrorismus gezüchtet wird (von Michaela Geistler)

Ausgabe vom 10. Aug. 2002

Klagenfurt (OTS) - Allen möglichen Zielen könnte ein amerikanischer Angriff auf den Irak dienen - etwa der Ankurbelung der Waffenindustrie, einer Ablenkung von wirtschaftlichen Problemen oder der Aufgabenbeschaffung für das US-Heer. Nur einen Sinn, den jedoch Präsident George W. Bush fortwährend unterstellt, kann ein solcher Militärschlag nicht haben: den Terrorismus zu bekämpfen.

Die Amerikaner haben bereits die Bombardements in Afghanistan unter dieses Motto gestellt. Doch was ist passiert? Rein oberflächlich konnte man sich damit schmücken, die Taliban aus ihren Machtpositionen vertrieben zu haben. Unter der Oberfläche sah es anders aus. Die Angriffe trafen die Ärmsten der Armen und sorgte für eine humanitäre Katastrophe. Dies bereitet den Boden für ein Klima, in dem Terrorismus gezüchtet werden kann.

Auch im Irak würden US-Angriffe eine Bevölkerung treffen, für die nicht zuletzt auf Grund der Sanktionen Krankheit, Elend und Tod zum Alltag geworden sind. Eine militärische Operation birgt zudem enorme Risken der Destabilisierung einer ganzen Region. Doch die USA verkaufen Saddam als "Böses" schlechthin, mit dessen Beseitigung alle Probleme auf einen Schlag gelöst sind. Die Fragen, was nach dem Diktator kommt und wie kalkulierbar dieses Szenario ist, bilden nur zwei von vielen, auf die Bushs Regierung keine Antwort weiß.

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