Euro doch kein Teuro - Der Skandal!

Gastronomie kommt durch falsche Zahlen ungerecht zum Handkuß

Wien (OTS) - In der Gastronomie schlagen die Wellen hoch: Nachdem tagelang nahezu sämtliche Medien des Landes eine Preis-Statistik des Büros der Europäischen Konsumentenschützer zitiert haben, wonach in der heimischen Gastronomie die Preise mit der Einführung des Euro angeblich im Durchschnitt um 20 % gestiegen sein sollen, kam am Mittwoch plötzlich das Dementi: Es ist alles nicht wahr, man habe in Brüssel nur Zahlen falsch übernommen. Die Beste Österreichische Gastlichkeit (BÖG), Österreichs einzige landesweit tätige Vereinigung heimischer Qualitätsgastronomen mit rund 360 Mitgliedern, will jetzt diesem ewigen Hickhack auf dem Rücken der Gastronomie nicht mehr länger zusehen: In Hinkunft wird die BÖG verstärkt zu aktuellen Branchenfragen Stellung nehmen und Aufklärungsarbeit sowie Lobbying betreiben.

BÖG-Präsident Toni Mörwald im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag in Wien: "Das Maß ist endgültig voll. Wieder einmal hat die Gastronomie zu Unrecht Prügel bezogen, der Imageschaden ist genauso groß wie der Unmut an der Basis. Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wer alles die Gastronomie als Spielball seiner Interessen mißbraucht und ungeniert draufhaut, egal, ob eine Kritik zu Recht besteht oder nicht." Die BÖG werde in Hinkunft verstärkt ihre Stimme als Interessensvertretung der qualitätsorientierten heimischen Wirte erheben und Mißstände - egal von welcher Seite her sie auch kommen -aufzeigen sowie ein verstärktes Lobbying betreiben. Mörwald: "Es ist traurig, dass die Gastronomie mit 60.000 Betrieben österreichweit bis heute keine Lobby hat. Wir von der BÖG wollen das jetzt ändern."

Immer wieder neue Belastungen In der Vergangenheit habe die Gastronomie im Zweifelsfall immer den Kürzeren gezogen: Stets hätten andere Interessen, etwa die von Bauern, Feuerwehren oder Vereinen, über die des Tourismus gesiegt: Und das, obwohl der Tourismus als eine der wenigen Branchen in den vergangenen 20 Jahren ständig neue Arbeitsplätze geschaffen habe. Mörwald: "Statt die überwiegend kleinbetrieblich strukturierte Gastronomie zu unterstützen, haben Gesetzgeber und Interessensverbände immer wieder neue Belastungen für den Tourismus erdacht. Und das, obwohl die Bundesregierung erst vor wenigen Monaten in Obertauern versichert hat, dass jeder einzelne Minister auch Tourismusminister ist."

Die Praxis sieht aber ganz anders aus: Laut einer Studie der AK Wien sind die Preise für Speisen in den ersten vier Monaten des Jahres um gerade einmal 1,1 % gestiegen, ein AK-Preisvergleich in Vorarlberg erbrachte eine Steigerung von 2,6 % gegenüber Juli 2001-keine Rede also vom Euro als "Teuro" in der Gastronomie. Mörwald:
"Dafür sind viele Getränke im Einkauf gerade um 5 % teurer geworden, die Wäschereikosten sind um 7,4 % gestiegen, und mein Müllentsorgungsunternehmen schreibt mir gerade eine Preiserhöhung von 9,7 % vor. Die Gastronomie hat jahrelang viele Preiserhöhungen von Vorleistungen einfach geschluckt. Wenn also da oder dort Preise angepaßt wurden, dann hat dies nichts mit dem Euro zu tun, sondern ist einfach betriebswirtschaftlich notwendig. Wenn jetzt die AK und die Grünen von Wirtschaftsminister Bartenstein sogar fordern, sogenannte Preissünder zu outen, wie dies der VKI jetzt schon im Internet macht, dann ist dies tiefstes Mittelalter und eine Beleidigung für jeden mündigen Konsumenten."

Die besten Mitarbeiter der Welt Generell sei das Preisniveau in der heimischen Gastronomie -angesichts der hohen Qualität in Küche und Dienstleistung - nahezu konkurrenzlos günstig. Wer jemals in Paris in einem Top-Restaurant gegessen hat, weiß, dass man dort mit Preisen bis zum vierfachen des heimischen Niveaus rechnen muß. Aber auch das Preisniveau in vergleichbaren Urlaubsländern wie Deutschland, Italien oder Spanien liege mittlerweile deutlich über dem österreichischen. Und das bei einem Ausbildungsstandard der Mitarbeiter, der weltweit führend ist.

Mörwald: "Unsere Mitarbeiter gehören zu den bestausgebildetsten der Welt. Um diesen hohen Standard halten zu können, müssen und wollen wir unsere Mitarbeiter natürlich auch entsprechend entlohnen, und dies ist eben nur bei einem gewissen Preisniveau möglich. Die Zeit der Mittagsmenüs um 3 Euro sollte endgültig vorbei sein, Qualität hat einfach ihren Preis."

Dazu komme noch, dass sich die Rahmenbedingungen für die Gastronomie ständig verschlechtern. "Die heimische Gastronomielandschaft ist von negativem Eigenkapital und hoher Selbstausbeutung der Unternehmerfamilien geprägt. Allein die Neuordnung der Entgeltfortzahlung verursacht für kleine Betriebe oft 20.000 bis 30.000 Euro Zusatzkosten jährlich. Dazu kommen zum Teil unpraktikable Arbeitszeitregelungen, ständig neue Auflagen und Kontrollen. Ganz abgesehen davon ist es fast unmöglich, neue qualifizierte Mitarbeiter zu bekommen."

Mehr Branchenlobbying Mörwald kündigte daher an, daß die BÖG in Zukunft ein verstärktes Branchenlobbying betreiben wolle. Dazu gehören eine verstärkte Presse- und Medienarbeit, Hintergrundgespräche mit Meinungsbildnern und Politikern sowie Aufklärungsarbeit über die Wichtigkeit des Tourismus in unserem Land bis hin zu den Schulen. Mörwald: "Wir wollen in Zukunft immer dann unsere Stimme erheben, wenn Fehlentwicklungen im Tourismus drohen. Wir Wirte müssen endlich aufstehen und unser Schicksal selbst in die Hand nehmen." Als mögliche Verbesserungen für die Gastronomie forderte Mörwald abschließend die Wiedereinführung der vollen Absetzbarkeit von Geschäftsessen, flexiblere Arbeitszeitmodelle für den Tourismus sowie zusätzliche Prämien für die Lehrlingsausbildung.

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