Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Ausgeschlossen aus den Köpfen (von Michael Kuscher)

Ausgabe vom 4. Aug. 2002

Klagenfurt (OTS) - Die eigene Skala der Wertigkeiten bedarf
mitunter einer radikalen Korrektur. Da flattern täglich Hunderte Meldungen über den Schreibtisch, und wenn einmal die Wahrheit durchblitzt, glaubt man sie gar nicht. Welchen Winkelzügen politischen Handelns messen wir größte Bedeutung bei und übersehen gleichzeitig das unvorstellbar Schreckliche.

Ich hab´s einfach nicht geglaubt, als Caritas-Präsident Franz Küberl im Fernsehen sagte, im südlichen Afrika seien bis Jahresende 13 Millionen (!) Menschen akut vom Hungertod bedroht. Der hat sich versprochen, ich hab´ falsch gehört. Nein - wir haben richtig gehört. Das ist so, als hätte ein Nachrichtensprecher gesgt, die Bevölkerung New Yorks wird bis Jahresende Hungers sterben.

Das ist nicht "Reklametrick" für die Augustsammlung der Caritas, das ist der Welt-Skandal, dass es erst des Franz Küberl bedarf, dass wir auch in Österreich Dürre, Krankheit und Hunger eines Kontinents wahrnehmen. Leben wir wirklich im Informationszeitalter? Nein: Wir leben mitten im Desinformationszeitalter. In der Ära der Wahrheitsverschleierungen, der Tricks und Täuschungen. Und das nicht trotz, sondern längst schon wegen Internet und Handy. Die 13 Millionen Verhungernden haben nämlich kein Handy und keinen Internetanschluss. Sie sind Ausgeschlossene aus unserem Bewusstsein.

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