DER STANDARD-Bericht: "Bonusmeilen: Fluglinien schulden Passagieren Hunderte Milliarden Euro" - Erscheinungstag 2.8.2002

Unterschiedliche Regelungen in Unternehmen

Wien (OTS) - Vielflieger lassen ihre Bonusmeilen-Kontingente
derzeit eher im Hangar als sie zu verfliegen. Dadurch sind die Fluglinien gezwungen, in ihre Bilanzen Rückstellungen in Milliardenhöhe aufzunehmen. Der Chef von Globalflight, Ravindra Bhagwanani, internationaler Experte für Vielfliegerprogramme, schätzt diese Verbindlichkeiten gegenüber Flugpassagieren auf 550 Milliarden Euro. Schließlich wären derzeit rund 8,5 Billionen Gratismeilen offen, sagte Bhagwanani gegenüber dem Standard.

Über die exakte finanzielle Bewertung der Bonusmeilen gehen die Meinungen jedoch auseinander. Fluglinien setzen die Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen in der Regel geringer an. Die AUA stellt derzeit jährlich rund sechs Millionen Euro dafür zurück.

Die Verwendung der von Mitarbeitern eingeflogenen Gratismeilen wird von Unternehmen höchst unterschiedlich geregelt. Während einerseits Firmen wie Siemens diese Kontingente für Dienstreisen einsetzen, werden sie andererseits etwa von der Hamburgerkette McDonald’s als Belohnung für Mitarbeiter verwendet.

Bleiben die Gratifikationen zur freien Verwendung durch die Mitarbeiter, so sind sie nach Einschätzung von Experten steuerpflichtig. Das sei "ein lohnsteuerlicher Vorteil via Sachbezug", sagt Klaus Hübner, Präsident der Wirtschaftstreuhänder. Bei Spitzenverdienern, die die Hauptzielgruppe derartiger Programme stellen, wären das bis zu 50 Prozent.

Bei öffentlich Bediensteten und Mandataren sieht Rechnungshofpräsident Franz Fiedler in privat genutzten Gratismeilen gar den Tatbestand einer "verbotenen Geschenkannahme". (red)

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