ARGE-ÄrztInnen präsentierten Grundsätze zur Gesundheitspolitik

Das Grundsatzpapier im Wortlaut

Wien (ÖGB). Die ARGE-ÄrztInnen im ÖGB will die Diskussion über die Weiterentwicklung des österreichischen Gesundheitssystems auf eine konstruktive Ebene heben. Dazu wurde ein Grundsatzpapier erstellt, welches von der Sprecherin der ARGE-ÄrztInnen, Dr. Sabine Oberhauser, heute präsentiert wurde.++++

Das Grundsatzpapier im Wortlaut:

Wie die Gesundheit Zukunft hat!

Grundsätzliches
Um das österreichische Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen, brauchen wir eine Diskussion über das Gesamtsystem. Sich auf die Finanzierung der Krankenkassen oder gar nur auf eine politische Personaldiskussion zu beschränken, ist kontraproduktiv und fahrlässig.

Was wir brauchen:

Gesamtkonzept
Die Behandlung Kranker nach dem neuesten Stand der Medizin, ein umfassendes Präventionsangebot sowie die immer wichtiger werdende Betreuung älterer MitbürgerInnen ist zu wichtig, um sie einem regionalen Flickwerk und dem Prestigedenken von Regionalpolitikern zu überlassen. Daher ist ein österreichweiter, patientenorientierter Gesundheitsplan notwendig. Dieser Plan ist in einer umfassenden Diskussion mit den Betroffenen unter Einbindung schon bestehender Patienteninitiven, den Patientanwälten und regionalen Entscheidungsträgern zu erarbeiten.

Bedarfsgerecht
Notwendig ist ein Versorgungssystem nach einem Stufenplan.
Von der Erstdiagnose vor Ort bis zur Behandlung in Zentren für Hochleistungsmedizin sowie Nachsorgeeinrichtungen in Wohnnähe und Rehabilitationszentren muss alles auch nach der Erreichbarkeit organisiert sein. Notwendig ist ein österreichweites Patientenleitsystem.

Angebot/Nachfrage
Ein modernes Gesundheitssystem beginnt mit der Betreuung Schwangerer und endet mit der Sterbebegleitung. Vorrang hat dabei die Verhinderung von Krankheiten sowie die Sicherung eines menschenwürdigen Lebensabends. So hatte der Mutter-Kind-Pass mit seinem Anreizsystem mehr erreicht als die Ausnahme von Schwangeren von der Ambulanzgebühr. Überhaupt sind Anreizsystem dubiosen Lenkungsmaßnahmen oder Selbstbehalten vorzuziehen. Investitionen in ein umfassendes System von qualifizierter Gesundheits- und Lebensberatung, ein umfassender ArbeitnehmerInnenschutz sowie Angebote im sogenannten Wellness-Bereich mit qualifiziertem Personal sind eine sinnvolle Ergänzung zum Gesundheitsangebot im herkömmlichen Sinne.

Evaluierung
Die Gesundheit in Österreich hat nur dann Zukunft, wenn langfristig erstellte Pläne einer ständigen Überprüfung standhalten. Damit sind ausreichende Kapazitäten sowohl im medizinischen als auch pflegerischen Bereich gewährleistet.

Gesundheit als Beschäftigungschance
Ein bestens organisiertes und durchdachtes Gesundheitswesen bietet die Chance auf qualifizierte Arbeitsplätze, die finanzierbar sind und ein leistungsgerechtes Einkommen bieten. Es macht wenig Sinn, wenn ein promovierter Arzt Taxi fährt oder sich zweifelhafte Organisationen mit illegal Beschäftigten um die Altenpflege "kümmern".

Arbeiten im Gesundheitswesen muss wieder attraktiv werden. Dazu gehören beste Aus- und Weiterbildung, angemessene Bezahlung, Arbeitszeiten, die einerseits die beste Betreuung der PatientInnen sichern und gleichzeitig Frauen mit Kindern nicht aus dem Beruf drängen.

Dieses Land hat sich eine konstruktive Diskussion zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens verdient. Es geht dabei nicht zu sagen, das "können wir uns nicht leisten", sondern darum "das werden wir uns leisten".

ÖGB, 1. August 2002 Nr. 631

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